Vom 26. bis 29. März 2026 findet in brasilianischen Stadt Porto Alegre die erste internationale antifaschistische Konferenz statt. Nachdem das Projekt wegen den Fluten in Rio 2024 abgesagt wurde, wird die Konferenz jetzt mit den gleichen Prinzipien durchgeführt. Mit dem Ziel, sich in Solidarität und mit einer breiten Front dem Aufstieg des Neo-Faschismus entgegenzustellen. (Red.)
PSOL, PT, PCdoB, CPERS, ADUFRGS, MST
Wir befinden uns inmitten eines intensiven Kampfes um die Ausrichtung der Gesellschaft. Das brasilianische Volk hat die Tragödie der Regierung Bolsonaro erlitten und Lehren aus dem autoritären Charakter seines Projekts gezogen. Durch intensive soziale und politische Mobilisierung ist es uns gelungen, ihn bei den Wahlen zu besiegen. Der Bolsonarismus behält jedoch immer noch einen bedeutenden Einfluss in der Gesellschaft und in institutionellen Bereichen. Dies ist jedoch nichts, was nur Brasilien betrifft – es betrifft die Rechte der Arbeiter:innenklasse und der Völker auf der ganzen Welt. Die extreme Rechte regiert oder ist in weiten Teilen Europas regierungsnah. Auf der ganzen Welt zeigt sie ihre Stärke und übt Druck auf Regierungen aus, die behaupten, demokratisch-populär zu sein und auch auf liberale Regierungen aller Art.
![]() |
Organisationen im Süden Brasiliens hatten zur ursprünglich für Mai 2024 geplanten Ersten Internationalen Antifaschistischen Konferenz aufgerufen. Zu dieser Zeit wurde das Bundesland Rio Grande do Sul jedoch von der größten Überschwemmung seiner Geschichte heimgesucht, die eine direkte Folge des Klimawandels war und Millionen von Menschen in Mitleidenschaft zog. Hunderte Personen, die die Anliegen und Kämpfe aus 31 Ländern auf 6 Kontinenten repräsentierten, hatten auf den Aufruf bereits geantwortet. Angesichts der Situation war es eine schwierige, aber absolut notwendige Entscheidung, die Veranstaltung abzusagen, so dass alle Anstrengungen auf den Wiederaufbau der verwüsteten Städte gerichtet sein konnten. Jetzt ist es an der Zeit, den Aufruf für die Konferenz bei Beibehaltung der Grundsätze zu erneuern.
Die Reichweite und das Wachstum faschistischer und rechtsextremer Kräfte auf globaler Ebene werden von bedeutenden Sektoren des großen Kapitals unterstützt und gefördert. Der Aufstieg der extremen Rechten und das Aufkommen explizit faschistischer oder neofaschistischer Organisationen fällt mit der ersten Verarbeitung der traumatischen Erfahrungen der Regierung von Donald Trump in den Vereinigten Staaten und der von Jair Bolsonaro in Brasilien zusammen. Im benachbarten Argentinien führt Javier Milei Krieg gegen die Arbeiterklasse, das einfache Volk und die Jugend. Er arbeitet daran, historische soziale und demokratische Rechte und Errungenschaften zu zerstören. Doch Milei stößt auf Widerstand der Bevölkerung und dieser wächst auch in den Vereinigten Staaten gegen Trump.
In der Zeit, in der wir diese Einladung aussenden, intensiviert Netanjahus neofaschistische Regierung den systematischen Völkermord an dem palästinensischen Volk, insbesondere im Gazastreifen. Dies ist nur möglich, dank der aktiven militärischen und wirtschaftlichen Unterstützung der US-Regierung und der Komplizenschaft ihrer Verbündeten. Insbesondere der Regierungen Westeuropas. Er wird auch ermöglicht durch die Passivität anderer Regierungen, die es versäumt haben, Israel zu sanktionieren und zu intervenieren. Aber Millionen Bürger:innen sind in Solidarität mit dem palästinensischen Volk und für ein Ende des Völkermords auf die Straßen gegangen.
Neben dem Voranschreiten der extremen Rechten erhöhen die Regierungen die Militärausgaben massiv, weigern sich dringenden Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich sind um sich der vertiefenden ökologische Krise zu begegnen, demokratische Freiheiten einzuschränken, unmenschliche Politiken umzusetzen, die die Rechte von Migrant:innen und das Recht auf Asyl verletzen, rassistisches und homophobes Verhalten zu fördern, die Rechte von Frauen und LGBTQIA+-Menschen anzugreifen und das Recht der Völker auf Selbstbestimmung zu gefährden.
In Porto Alegre, einer Stadt mit bedeutenden demokratischen Traditionen und Ambitionen, wollen wir eine Erfahrung der Einheit zwischen kämpferischen und sozial relevanten Kräften, sowohl den auf Wahlen als auch denen breiter politisch und ideologisch orientierten, schaffen. Unsere Priorität ist der Kampf gegen die extreme Rechte an mehreren Fronten auf der Grundlage von Vereinbarungen politischer Einheit, die die Unterschiede respektieren.
|
||||||||
Ausgehend von der Initiative der Partei des Sozialismus und der Freiheit (PSOL), der Arbeiterpartei (PT), der Kommunistischen Partei Brasiliens (PCdoB), der CPERS (Gewerkschaft der Schullehrer und -arbeiter von Rio Grande do Sul), der ADUFRGS (Interkommunale Gewerkschaft der Professoren der föderalen Hochschuleinrichtungen), und der MST (Landlosenbewegung) im Bundesstaat Rio Grande do Sul rufen wir die internationalen antifaschistischen Kräfte auf, einen Dialog zu eröffnen, der in der Lage ist, der von der neofaschistischen Welle vorangetriebenen Zerstörung entgegenzutreten, wobei die Einheit gegen die extreme Rechte an allen Fronten Vorrang hat.
Porto Alegre war das Zentrum des Volkswiderstandes, mit dem 1961 ein Staatsstreich niedergeschlagen wurde, und zu Beginn dieses Jahrhunderts war es Schauplatz des Weltsozialforums, das verschiedene Ausdrucksformen der Linken und soziale Organisationen zusammenführte. Hunderttausende nahmen an diesem Prozess des Aufbaus einer Einheit für eine andere mögliche Welt teil.
Um auf die Herausforderungen zu reagieren, vor denen die Menschheit und die Völker stehen, laden wir vom 26. bis 29. März nach Porto Alegre ein. Ziel ist es, zu diskutieren und die Kämpfe auf der Straße und in allen anderen Bereichen zu stärken; die Auseinandersetzung mit allen rechtsextremen und faschistischen Ausdrucksformen und die Solidarität unter den Menschen, die Widerstand leisten, die Verteidigung der sozialen und wirtschaftlichen Rechte, der demokratischen Freiheiten, der Umwelt, der Wissenschaft und der Kunst sowie der Kampf gegen jede Form von Ausbeutung, Fremdenfeindlichkeit und jede andere Art von Unterdrückung. Wir rufen alle Organisationen, Einzelpersonen, Bewegungen und politischen Akteure auf, sich dieser Initiative anzuschließen und die erste internationale antifaschistische Konferenz zu unterstützen.
|
Übersetzung übernommen und redaktionell bearbeitet aus: sozialismus.ch
|
Dieser Artikel erschien in der Online-Ausgabe von die internationale Nr. 2/2026 (März/April 2026) (nur online). Auch bei intersoz.org. | Startseite | Impressum | Datenschutz