Iran

Protestwelle im Iran nicht auf einen einzigen Namen reduzieren

Während die neue landesweite Protestwelle im Iran in ihren sechzehnten Tag eintritt [28. Dezember 2025 bis 12. Januar 2026] und Berichte über eine weitverbreitete Abschaltung des Internets eintreffen, kehrt eine alte Debatte mit neuer Intensität ins Zentrum der politischen Diskussionen zurück: Sind die „Aufrufe zum Handeln“ von Politikern der Auslöser für die Demonstrationen, oder handelt es sich hauptsächlich um den Versuch einiger, auf einer bereits bestehenden Bewegung zu reiten?

Siyavash Shahabi

Die BBC griff in ihrem persischsprachigen Programm das Thema in der von Farnaz Ghazi-Zadeh moderierten Sendung Goftogoo-ye Vizheh [die den Stellenwert einer potenziellen Koalition zwischen Reza Pahlavi und Amir-Hossein Ghazizadeh Hashemi, dem ehemaligen Vizepräsidenten des Iran, betont] in einem Gespräch mit Leila Hosseinzadeh, einer ehemaligen Studentenaktivistin und politischen Gefangenen, auf. In den letzten Jahren hat sich Leila Hosseinzadeh einen Namen gemacht, weil sie sich konsequent für wirtschaftliche Gerechtigkeit und die Forderungen von Gewerkschaften und Berufsverbänden einsetzt und dabei einen Schwerpunkt auf die Rechte von Minderheiten legt. Einer der markantesten Momente in ihrer öffentlichen/medialen Laufbahn liegt etwa zwei Jahre zurück, als sie ihre Dissertation ohne den vorgeschriebenen Hidschab und in einem kurdischen Kleid verteidigte – eine Geste, die nach Ansicht vieler Beobachter den Diskurs und den Aktionsradius kämpferischer Studierender in eine neue Phase eintreten ließ. Leila Hosseinzadeh wurde 1991 (1370 nach dem iranischen Kalender) geboren. Sie sagt, dass sie 2009 im Alter von 18 Jahren politisch und bürgerrechtlich aktiv geworden ist und sich derzeit im Rahmen eines Forschungsstipendiums in Deutschland aufhält.


„Die Proteste mit dem Aufruf Pahlavis zu verbinden, ist ein Fehler“


Die erste Frage der Sendung [siehe unten die Sendung auf Farsi mit maschinell erzeugten englischen Untertiteln] ging direkt zum Kern des Themas. Leila Hosseinzadeh, die lange Zeit den Schwerpunkt auf „Organisation von unten“ gelegt hat, wurde gefragt, wie sie kollektive Aktionen wahrnimmt, wenn sie von den Aufrufen bekannter Politiker begleitet werden.

Ihre Antwort stellte den vorherrschenden Mediendiskurs der letzten Tage auf den Kopf. Sie argumentierte, dass die Proteste seit Ende Dezember laufen, obwohl der Aufruf von Reza Pahlavi erst vor wenigen Tagen veröffentlicht worden ist. Sie erklärte daher, dass es grundsätzlich falsch sei, den Beginn oder sogar das Ausmaß der Demonstrationen mit seinem Aufruf in Verbindung zu bringen. In leicht sarkastischen Ton fügte sie hinzu, dass sich viele iranische Politiker wie der König in Der Kleine Prinz verhalten [der im Glauben an seine absolute Macht der Sonne befahl unterzugehen]: sie beobachten zunächst, was die Menschen tun, und „verkünden“ dann das Gleiche, als wäre es ihr eigener Aktionsaufruf. Ihrer Meinung nach ist dieses Verhalten nicht auf die höheren Sphären der Politik beschränkt; sie bekräftigt, dass es sich in verschiedenen Bereichen wiederholt, vom Widerstand gegen die Hidschab-Pflicht bis hin zu Demonstrationen von Gewerkschaften und Berufsgruppen [Anspielung auf Aufrufe bestimmter Kräfte, die sich verschiedene Facetten der Mobilisierungen zu eigen machen].

Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die Situation vor Ort aufgrund der Internetabschaltung unklar bleibt. Sie fügt jedoch hinzu, dass die zum Zeitpunkt des Interviews verfügbaren Berichte darauf hindeuten, dass die Beteiligung viel höher war als in den vorherigen Nächten, was sie als natürliches Ergebnis der Ausbreitung der Proteste und nicht als Ergebnis eines Aufrufs von außen ansieht. Sie bestreitet nicht, dass politische Persönlichkeiten im Iran echte Anhänger haben, argumentiert aber, dass die "direkte" Verbindung zwischen dem Aufruf einer einzelnen Persönlichkeit und der Logik der Ausweitung der Proteste nicht der Realität des letzten Jahrzehnts entspricht.


Vom Basar auf die Straßen: „jeder Funke kann ein Feuer auslösen“.


Bei der Erklärung dessen, was sie die innere Logik der Protestbewegungen nennt, hob Leila Hosseinzadeh deren Ausgangspunkt hervor. Sie erklärte, dass die Proteste auf dem Basar begonnen hätten. Sie wies darauf hin, dass Demonstrationen auf dem Basar im Iran in der Regel auf diesen Sektor beschränkt blieben, sich aber diesmal mit rasanter Geschwindigkeit ausbreiteten. Ihrer Meinung nach sind die sozioökonomischen Bedingungen für die einfachen Bürger so unerträglich geworden, dass „jeder Funke“ einen größeren Brand auslösen kann – und solange die Demonstranten die Repressionskräfte überwinden können, werden sich die Proteste weiter ausbreiten.

Dabei verwies sie auf frühere Erfahrungen und erklärte, dass eine „Befreiung“ der Städte – wenn auch nur für wenige Stunden oder Tage – in den letzten acht Jahren häufig stattgefunden habe. Ihrer Meinung nach markierte der Dezember 2017 (Dey 96 [Preiserhöhung und von Hassan Rohani beschlossene Sparpolitik]) den Beginn einer vielfältigen und vielgestaltigen Bewegung gegen das Regime. Sie fügte hinzu, dass die Proteste im November 2019 (Aban 98 [Erhöhung des Benzinpreises verbunden mit einer Kürzung der Subventionen]), wenn sie nicht durch das, was sie ein „Massaker“ nannte [Abschaltung des Internets und nach einer Erhebung von Amnesty International aus dem Dezember wurden 304 Menschen von den Repressionskräften getötet], gestoppt worden wären, noch schneller hätten anwachsen können, als das, was wir heute erleben. Als Beispiel verwies sie darauf, dass damals innerhalb weniger Tage Teile der Großstädte tatsächlich „befreit“ worden seien.

Ihre Schlussfolgerung war klar: wenn man die Situation von innen betrachtet, ist das, was als „beispiellos“ bezeichnet wird, in seiner Form oder seinem Muster nicht ohne Präzedenzfall. Sie argumentierte, dass Repression und soziale Brüche manchmal den „Schwung“ der Demonstrationen verstärkt hätten, was bestimmte Gruppen dazu veranlasste, sich der Bewegung mit mehr Vorsicht oder Zögern anzuschließen. Sie sieht aber den zunehmenden Mut und die Betonung des „Rechts auf Selbstverteidigung“ der Bürger als logische Konsequenz staatlicher Gewalt: die Menschen sind zu dem Schluss gekommen, dass sie anders nicht vorankommen können.


Der Unterschied heute: die Gefahr, eine vielfältige Bewegung auf „eine Einheit“ zu reduzieren


Als die Moderatorin sie fragte, was sich in diesen zwei Wochen verändert habe, hob Leila Hosseinzadeh ein zentrales Anliegen hervor: die Vielfalt der Bewegung, wird auf die Dauer [im heutigen Narrativ] zugunsten einer erzwungenen „Einheit“, einer konturlosen Einheit und einer Art monolithischen Diskurses ersetzt und reduziert. Sie argumentierte, dass die Bewegung, die im Dezember 2025 begann, von Anfang an durch das Auftreten vieler verschiedener sozialer Kräfte gestärkt wurde, ohne dass diese sich selbst zensierten oder ihre Forderungen beschränkten, um sich einer vereinheitlichten Ideologie oder politischen Richtung anzupassen.

Um diese Vielfalt zu veranschaulichen, hat sie mehrere Bilder nebeneinander gestellt: die Überschneidung der Demonstrationen von Dey 96 mit denen der Araber in Khuzestan, die als „Aufstand für Würde“ bezeichnet wurden, das Auftauchen der „Mädchen der Straße der Revolution“ nach der Aktion von Vida Movahed [sie hatte 2017 ihr Kopftuch am Ende eines Stocks aufgehängt, sie wurde verhaftet und nach internationalen Mobilisierungen wieder freigelassen], die öffentlichen Aktionen der Studierenden und das Sit-in von Derwischen [Mitglieder einer religiösen Gemeinschaft] vor einem Gefängnis [im September 2011 wurden in Kavar, Teheran und Schiraz mehr als 60 Personen verhaftet]. Ihrer Meinung nach ist die Bewegung immer durch die Vielfalt der Stimmen, aus denen sie sich zusammensetzt, vorangeschritten, und jeder Versuch, die Bewegung auf eine einzige Persönlichkeit oder eine einzige Flagge zu reduzieren, wird letztendlich an der tatsächlichen Komplexität der iranischen Gesellschaft scheitern.


Das Argument der „grauen Mitte“ und ihre starke Ablehnung der Führungspersonen ausgerichteten Politik


In einem der angespanntesten Momente des Gesprächs brachte die Moderatorin ein altbekanntes Argument zur Sprache: einige argumentieren, dass man, um die „graue Mitte“ – die zögernden oder politisch unauffälligen Menschen – zu gewinnen, eine Führungsfigur braucht, und dass Reza Pahlavi [in den USA lebender Sohn des Schahs mit Verbindungen zum Trumpismus, zur extremen Rechten und zur israelischen Regierung] nun diese Rolle übernommen habe.

Leila Hosseinzadeh antwortete, dass die Basarstreiks in Täbriz und Isfahan vor Pahlavis Aufruf stattgefunden hätten und dass, wenn man über die „graue Mitte“ sprechen wolle, diese Gruppen eines der offensichtlichsten Beispiele dafür seien. Einen „Rettungsring“ in die Mitte zu werfen, an dem sich die Menschen festhalten können, ist ihrer Meinung nach ein altes, abgenutztes und ineffizientes Modell dafür, wie Volksaufstände und Revolutionen tatsächlich organisiert werden. Sie sagte, dass dieses Modell immer wieder sein Scheitern gezeigt habe, auch in dieser Bewegung, aber dass es immer wiederkehrt, nicht weil es keine anderen Methoden gibt, sondern weil „andere Interessen“ [politische, soziale Sektoren, die unter anderem in der Diaspora vertreten sind] am Werk sind und darauf bestehen, dass sich die Politik weiterhin auf berühmte Persönlichkeiten konzentriert.

Sie kam auf den Dey 96 zurück, um diesen Punkt zu betonen: Wer von den großen Namen, auf die man sich heute beruft, glaubte damals wirklich, dass das Regime gestürzt werden könnte? Leila Hosseinzadeh ging dann auf einen tieferen strukturellen Faktor ein: in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten hat die Islamische Republik jede Form von zivilen, gewerkschaftlichen oder beruflichen Organisationen, von Umwelt- und Wohltätigkeitsgruppen bis hin zu Studierendenorganisationen, strengstens unterdrückt, und heute, so betonte sie, sitzen viele der prominentesten Persönlichkeiten aus dem sozialen und gewerkschaftlichen Bereich im Gefängnis. Wie kann man unter diesen Umständen erwarten, dass diese Gruppen „normal“ funktionieren?


„Auf die Demokratie kommen wir später zurück“ – oder die Gründe. warum die Demokratie gerade jetzt thematisiert werden muss


Die Moderatorin sprach dann ein weiteres häufiges Anliegen an: Ist es nicht an der Zeit, diese Differenzen zu überwinden, sich zunächst auf den Wandel zu konzentrieren und sich erst nach der Umwandlung der Islamischen Republik mit der Frage zu befassen, wie die Demokratie erreicht werden kann?

Während Leila Hosseinzadeh ihren persönlichen Wunsch nach einem Sturz des Regimes emotional hervorhob, warnte sie, dass die Logik „erst stürzen, dann lösen wir die Probleme später“ genau diejenige ist, die es ermöglicht, dass sich die Geschichte in einem neuen Gewand wiederholt. Sie sagte, dass selbst wenn jemand, der von unerträglichen Bedingungen erdrückt wird, sagen könnte „gut, stellen wir das demokratische Ziel zurück, und dann sehen wir weiter“, das Vorgehen der, wie sie es nannte, „Hauptströmung der Opposition“, die dank der Medien und des Geldes zur lautesten Stimme geworden ist, Anzeichen für etwas anderes zeigt: sie ähnelt eher einem Versuch, die Proteste zu kontrollieren, als dem Wunsch, sie zu einem echten Wandel zu führen [siehe den Vorschlag einer Koalition – zwischen Reza Pahlavi und Amir-Hossein Ghazizadeh Hashemi, ehemaliger Vizepräsident des Iran – der von der Moderatorin als realistische Möglichkeit vorgestellt wurde].

Leila Hosseinzadeh zufolge ist die Stigmatisierung von Minderheiten und das Schüren ethnischer Vorbehalte ein Zeichen für ein solches Vorgehen, das auf die Kontrolle der Bewegung abzielt. Sie argumentierte, dass schon bevor etwas beschlossen wurde, ein großer Teil der Bevölkerung auf diese Weise durch Stigmatisierung und Beschuldigungen für was auch immer ausgegrenzt wird, was ihrer Ansicht nach direkt im Gegensatz zur vielfältigen Realität der iranischen Gesellschaft steht. Ihre Schlussfolgerung war, dass diese Art von Politik die sozialen Kräfte insgesamt schwächt, sie in Zweifel stürzt und gerade diejenigen beunruhigt, die gestern noch mit einem Gedanken auf der Straße waren: „Was, wenn wir die ersten wären, die geopfert werden?“


„Die Anführer werden künstlich aufgebaut“


Auf die Frage, was pro-demokratische Gruppen jetzt tun sollten, antwortete Leila Hosseinzadeh, dass der erste Schritt darin bestehe, alte unproduktive Gewohnheiten aufzugeben, wie etwa ein paar berühmte Persönlichkeiten zu versammeln, ein Bündnis zu verkünden und zu glauben, dass dies ausreichen würde, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Sie argumentierte, dass viele dieser Persönlichkeiten nicht aus der Praxis und der Mobilisierung stammten und nicht mit wirklichen Netzwerken oder organisierten sozialen Strukturen verbunden seien.

Anschließend gab sie ein persönliches Beispiel: nachdem sie 2022 (1401) aus dem Gefängnis entlassen worden war, sah sie plötzlich Personen, die in den Medien als „Anführer der Bewegung“ dargestellt wurden. Ihre Antwort war unverblümt: eine solche Führung wird künstlich aufgebaut, oft ohne klare Antwort auf die Frage, welche Beziehung diese Personen tatsächlich zur Bewegung haben.

 

Interview mit Leila Hosseinzadeh

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Als die Moderatorin darauf hinwies, dass „eine Persönlichkeit zu werden“ manchmal das Ergebnis eines realen Kampfes sein kann und dass Pahlavi als Sohn des ehemaligen Schahs schon lange eine politische Figur ist, wies Leila Hosseinzadeh auf einen Unterschied hin. Sie sagte, ihre Kritik richte sich gegen Persönlichkeiten, die durch Medienprojekte „ins Rampenlicht gerückt“ und künstlich in eine zentrale Rolle katapultiert worden seien. Was Pahlavi betrifft, so räumte sie ein, dass sein familiärer Hintergrund ihm eine vorbereitete Plattform geboten habe, doch sie argumentierte, dass diese Sichtbarkeit nicht automatisch einem Projekt Legitimität verleihe, das versuche, eine vielfältige Bewegung zu übernehmen oder umzugestalten.

Die Moderatorin wies auch auf die pro-Pahlavi-Parolen hin, die auf den Straßen zu hören waren. Leila Hosseinzadeh gab zu, dass er Anhänger unter einem Teil der Bevölkerung habe, aber erwiderte: Popularität allein schafft keine politische Legitimität und ist nicht unbedingt der effektivste Weg zur Einheit, die das Regime tatsächlich stürzen kann.


Ihr Weg aus der Sackgasse: von den Menschen lernen und es ihnen zurückgeben.


Auf die direkte Frage, wie man aus der Sackgasse herauskommt, hat Leila Hosseinzadeh zwei Wege aufgezeigt: Erstens: Abkehr von der auf Führungskräfte ausgerichteten Politik und von symbolischen und medialen Allianzen. Zweitens: etwas zu tun, was „einfach, aber schwer umzusetzen“ ist – für diejenigen, die eher als Berater statt als Chefs agieren wollen. Sie müssen von dem lernen, was die Menschen bereits tun, ihre Stärken und Schwächen verstehen; verbreiten, was funktioniert, und es „dem Volk zurückgeben“.

Sie wies darauf hin, dass das Internet auch 2019 abgeschaltet wurde und dass die Städte mehrmals vorübergehend „befreit“ worden waren, stellte aber die nächste Frage: Welche politische Kraft, welches oppositionelle Medium oder welcher Aktivist hat sich ernsthaft damit befasst, wie sich die Menschen organisiert haben, wie sie mit Repressionen umgegangen sind und wie sie es geschafft haben voranzuschreiten?

Sie sagte, sie habe versucht, diese Lücke selbst zu schließen, und erwähnte, dass sie zwei vollständige Berichte über die Demonstrationen 2019 und 2022 verfasst habe. Sie fügte jedoch eine schärfere Kritik hinzu: ihrer Meinung nach haben die Oppositionsmedien nicht einmal eine ernsthafte kritische Analyse ihrer eigenen Leistungen erstellt. Ohne diese Art von Selbstkritik, so argumentierte sie, bleiben die Sorgen lebendig und Fehler werden wiederholt.


Fazit: mit den demokratischen Kräften sprechen, nicht über die Menschen auf der Straße urteilen


Im letzten Teil des Interviews kam die Moderatorin auf eine praktische Frage zurück: Ist es nicht verständlich, dass jemand, der vom täglichen Druck erschöpft ist, sich von einer Kraft angezogen fühlt, die ein „Sofortprogramm“ und einen konkreten Fahrplan anbietet?

      
Mehr dazu
Büro der Vierten Internationale: Gegen das theokratische und autoritäre Regime im Iran und die imperialistischen Einmischungen:
Solidarität mit dem Kampf der Völker im Iran
, die internationale Nr. 1/2026 (Januar/Februar 2026) (nur online). Auch bei intersoz.org.
Büro der Vierten Internationale: Trump und Netanjahu: Todfeinde der Völker im Nahen Osten und weltweit! Hände weg vom Iran!, die internationale Nr. 4/2025 (Juli/August 2025) (nur online). Auch bei intersoz.org.
Houshang Sepehr: Die Frau und der Aufstand im Iran, die internationale Nr. 4/2023 (Juli/August 2023).
Peyman Jafari: Der Aufstand hat eine revolutionäre Dynamik entwickelt, die internationale Nr. 2/2023 (März/April 2023).
Babak Kia: Islamische Republik Iran: kapitalistisch-theokratisch-patriarchalisch, die internationale Nr. 2/2023 (März/April 2023).
 

Leila Hosseinzadeh antwortete, dass sie nicht versuche, die Menschen auf der Straße zu belehren, die ihrer Meinung nach an einem Punkt angelangt seien, an dem sie entweder kämpfen müssen oder getötet werden, entweder das Regime stürzen oder bei dem Versuch dazu sterben müssten. Ihre Botschaft, sagte sie, richtet sich an prodemokratische Kräfte und soziale Gruppen, die zögern und befürchten, dass sich nach so viel Blutvergießen und Kämpfen eine andere Form des Autoritarismus und der Plünderung wiederholen könnte.

Ihre wichtigste Warnung war klar: wenn die demokratischen Kräfte in Fragmentierung und Untätigkeit gefangen bleiben, laufen sie Gefahr, die gleichen historischen Muster zu reproduzieren, Muster, in denen ihnen die Macht in entscheidenden Momenten entgleitet und die Zukunft auf Kosten der Freiheit gefährdet ist.

Das Gespräch endete mit dem Dank der Moderatorin und der Hoffnung, das Gespräch später fortsetzen zu können. Die Hauptbotschaft von Leila Hosseinzadeh war jedoch einfach: die Revolte auf der Straße ist das Ergebnis eines Jahrzehnts angesammelter Spannungen, Repressionen und zersplitterter Organisation von unten. Berühmte Persönlichkeiten kommen spät. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass, statt die Vielfalt der Bewegung und die reale Erfahrung vor Ort zu stärken, politische Projekte entstehen, deren Ziel es nicht ist, den Weg in die Freiheit zu ebnen, sondern eine Bewegung zu managen und zu kontrollieren, die bereits außer Kontrolle geraten ist.

Zusammenfassung und Präsentation des Interviews auf Englisch von Siyavash Shahabi. Veröffentlicht auf der von ihm betriebenen Website: The Fire Next Time am 12. Januar 2026; Übersetzung und Bearbeitung von der Redaktion A l’Encontre
Übersetzung aus dem Französischen: Björn Mertens

Quelle: Au-delà des gros titres: pourquoi la vague de protestations en Iran ne peut être réduite à un seul nom, A l’Encontre



Dieser Artikel erschien in der Online-Ausgabe von die internationale Nr. 1/2026 (Januar/Februar 2026) (nur online). | Startseite | Impressum | Datenschutz