Ökosozialismus

Kraftstoffpreise: welche ökosozialistischen Antworten?

Der Krieg steigert die Profite der Fossilkonzerne und verschärft gleichzeitig die ökologische und soziale Krise. Angesichts der Preisexplosion und der organisierten Abhängigkeit vom Öl ist es dringend notwendig, Sofortmaßnahmen durchzusetzen und gleichzeitig einen Bruch mit dem Fossilkapitalismus einzuleiten.

Nationale Ökologiekommission der NPA-A

Um zur Arbeit zu gehen, die Kinder zu begleiten, sich medizinisch versorgen zu lassen, einzukaufen … viele Menschen ist das Auto heute kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, und jeder Anstieg der Kraftstoffkosten schmälert das ohnehin schon knappe Budget noch weiter.


Der Krieg: ein Jackpot für Klimakriminelle


Die der Fossilwirtschaft innewohnende Instabilität bietet den Ölkonzernen großartige Möglichkeiten zur Erzielung von Übergewinnen. Wenn, wie heute, die Versorgung stark gestört oder sogar unterbrochen wird, schießen die Preise in die Höhe. Bereits vorhandene Vorräte, die vor der Erhöhung gekauft wurden, werden zu einem hohen Preis verkauft. Eine goldene Gelegenheit (in Dollar!) für Fossilkapitalisten!

Gleichzeitig trifft der Anstieg der Kraftstoffpreise die Haushalte hart, vor allem die der Geringverdienenden. Daher müssen dringend Sofortmaßnahmen zur Linderung der Folgen durchgesetzt werden, die umso stärker greifen, je niedriger die Einkommen sind, je weniger die Löhne steigen und je mehr sie seit 2020 real sogar gesunken sind.


Der beste Kraftstoff ist der, der nicht verbrannt wird


Zunächst eine Selbstverständlichkeit, die man aber immer wieder in Erinnerung rufen sollte: Der billigste und am wenigsten umweltschädliche Kraftstoff ist der, der nicht verbrannt wird.

Als Sofortmaßnahme sollte überall die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel gefordert werden, so wie in Zeiten hoher Schadstoffbelastung. In Unternehmen und Behörden Maßnahmen durchsetzen, wie z. B. die Ausweitung von Telearbeit, Firmenpendelverkehr … die mit und unter der Kontrolle der Beschäftigten beschlossen und umgesetzt werden, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden.

Andere Maßnahmen können den Straßenverkehr, der einen immer größeren Raum einnimmt, reduzieren: Geschwindigkeitsreduzierung, vor allem auf Autobahnen, gezielte Fahrverbote für LKWs …

Über diese unmittelbaren Sofortmaßnahmen hinaus ist eine Neuausrichtung der Verkehrspolitik, die auf eine drastische Reduzierung des Pkw- und Lkw-Verkehrs abzielt, unerlässlich: Stopp aller Straßenbauprojekte, das Straßennetz ist ausreichend, Vorrang für öffentliche Verkehrsmittel, die zum Tagespendeln genutzt werden, sowie für den Schienen- und Flussgüterverkehr, Verlagerung der Produktion so nah wie möglich an die Orte des Verbrauchs.

      
Mehr dazu
Ökologiekommission der NPA: Energiekrise in Europa und die Lage in Frankreich, die internationale Nr. 2/2023 (März/April 2023).
Jawad Moustakbal: Marokkanische Energiewirtschaft, die internationale Nr. 2/2023 (März/April 2023).
Thierry Labica: Enough is enough, die internationale Nr. 6/2022 (November/Dezember 2022).
Léon Crémieux: Die Wege des Zorns, die internationale Nr. 6/2022 (November/Dezember 2022).
Daniel Tanuro: Was steckt hinter der CO2-Steuer?, die internationale Nr. 4/2017 (Juli/August 2017).
Alan Thornett: James Hansens „Ausstiegsstrategie“ aus der globalen Erwärmung, Inprekorr Nr. 3/2014 (Mai/Juni 2014) (nur online).
 

Preise stoppen durch Gewinnabschöpfung


Viele kommen jedoch um den Weg zur Zapfsäule nicht herum, egal wie hoch der Preis auch sein mag. Die Gestaltung und Organisation der Räume für den Autoverkehr und der Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln zwingen zur täglichen Nutzung des Privatwagens.

Wenn das Einfrieren der Preise durch Abschöpfen der Gewinne der Ölkonzerne als Sofortmaßnahme geboten ist, muss dies mit der Forderung nach Öffnung ihrer Bücher und der Kontrolle der Verteilung und der Vorräte durch die Beschäftigten und die Nutzer verbunden werden.


Klimakriminelle, kriminelle Imperialisten


Der Fossilkapitalismus, der die Hauptverantwortung für die ökologische Krise trägt, steht im Mittelpunkt der imperialistischen Angriffskriege von Venezuela bis zum Iran.

Gegen die Ölkonzerne Total und andere … mehr denn je steht auf der Tagesordnung, sie zu entwaffnen, ihnen die Macht über Leben und Tod zu entziehen und sie zu enteignen. Solange sie die Macht dazu haben, werden sie jeden Tropfen Öl, jeden Krümel Kohle, jedes Gasmolekül aus dem Boden holen und dabei Krieg gegen die Völker und das Leben führen! Nur durch die Vergesellschaftung dieses Sektors wird es möglich sein, wieder die Kontrolle zu übernehmen und die fossilen Energien im Boden zu lassen.


Quelle: Coût du carburant, quelles réponses écosocialistes??, L’Anticapitaliste, Nr. 794, 02.04.2026, Übersetzung: Björn Mertens



Dieser Artikel erschien in der Online-Ausgabe von die internationale Nr. 3/2026 (Mai/Juni 2026) (nur online). Auch bei intersoz.org. | Startseite | Impressum | Datenschutz