Die Offensive des Trump-Regimes für eine imperialistische US-Übernahme Grönlands geht weiter. Alle Mittel wurden eingesetzt: politische, wirtschaftliche und sogar militärische Drohungen. In dieser Situation hat sich die grönländische Selbstverwaltung verständlicherweise dafür entschieden, Schutz in einem taktischen Bündnis mit dem ehemaligen Kolonialherrn (Dänemark), der EU und den europäischen NATO-Ländern zu suchen; Inatsisartut (das grönländische Parlament) hat dies einstimmig befürwortet.
Sekretariat der SAP
Im besten Fall kann diese Allianz Trumps Pläne, die Macht über Grönland formell an sich zu reißen, hier und jetzt stoppen. Aber weder die dänischen Machthaber:innen noch die EU sind verlässliche Verfechter des Selbstbestimmungsrechts des grönländischen Volkes – ganz im Gegenteil!
Die massive Unterstützung der Bevölkerung unter anderem durch die Demonstrationen gegen Trumps Eroberungspläne hat sich ganz klar auf das Selbstbestimmungsrecht der Grönländer:innen konzentriert. Großartig! Und selbst die [dänische] Ministerpräsidentin hat sich in den letzten Monaten für diesen Schwerpunkt entschieden – Seite an Seite mit den führenden Kräften der Selbstverwaltung. Es gibt jedoch keinen Grund, der dänischen Regierung und den anderen Bündnispartnern zu vertrauen oder ihre Motive schönzufärben.
Wie wir unter anderem in einem Kommentar vor einem Jahr beschrieben haben, sind die Beziehungen Dänemarks zu Grönland immer noch von imperialistischen Interessen geprägt und getrieben – in erster Linie vielleicht von dem Interesse, Dänemarks geopolitische Bedeutung zu erhalten. Trotz der begrenzten Autonomie, die die Grönländer:innen für sich selbst errungen haben.
![]() Protest in Kopenhagen „Hände weg von Grönland“ (Foto: Christian Ursilva) |
Die hilfsbereiten EU-Partner haben auch gelegentlich das zweifellos große Interesse der EU an den Ressourcen des grönländischen Untergrunds gezeigt – ebenso wie an der strategischen Bedeutung des Landes für die Verteidigung Europas.
Für echte Freunde und Freundinnen der grönländischen Unabhängigkeit – und nicht zuletzt für die Grönländer:innen selbst – war es überraschend zu hören, wie eine politische Öffentlichkeit in Dänemark in diesen Wochen unisono das Recht der Grönländer:innen lobt, über ihr Land, die Rechte der Ureinwohner:innen usw. zu entscheiden. Ganz so, als wäre und war dies schon immer die Grundlage des „Königreichs“ gewesen, wie es so schön genannt wird. Die Heuchelei wirkt krass, wenn man dieses Märchen mit der dänisch-grönländischen Kolonialgeschichte vergleicht. Und mit der dänischen imperialistischen Dominanz, auch heute noch nach Einführung der Autonomie.
Es schreit auch zum Himmel, wenn Dänemark, England, Frankreich, die Niederlande und andere jetzt über die Achtung „einer internationalen Rechtsordnung“ wachen wollen. Und sich darauf berufen, dass „wir im Westen“ die seit dem Zweiten Weltkrieg geschützt hätten. So sind es einige der gleichen Länder – nicht zuletzt Dänemark –, die eifrig am „Bündnis williger Staaten“ teilgenommen haben, das (mit den USA an der Spitze) ohne völkerrechtliche Skrupel gerade die territoriale Integrität und nationale Souveränität in Afghanistan – und viele später auch im Irak – verletzt haben!
Sollte die Linke – aus Respekt vor dem taktischen Bündnis gegen die USA – diese Heuchelei komplett verschweigen? Sollen wir so tun, als ob wir diese Sichtweise der „Reichsgemeinschaft“ [1] – und damit auch unserer „EU-Freunde“ – voll und ganz teilen? Dies ist das, was die Enhedslisten [2] überwiegend tut.
Und das ist ein Fehler!
Erstens, weil wir dann plötzlich als eurozentristische Heuchler:innen auftreten, die ihre Augen vor dem Kolonialismus und Imperialismus des Westens (einschließlich Europa und Dänemark) verschließen, sowohl historisch als auch in der Gegenwart. Dies könnte offensichtlich und aus gutem Grund unsere solidarische, internationalistische Zusammenarbeit über Grenzen hinweg erschweren. Und es könnte auch unsere Beziehungen zu Grönländer:innen und anderen ethnischen Minderheiten in Dänemark und Grönland belasten, die sich dieser besonderen Heuchelei in der Regel bereits schmerzhaft bewusst sind.
Zweitens auch, um die Weichen für den andauernden Kampf um das wirkliche Selbstbestimmungsrecht der Grönländer:innen bestmöglich zu stellen. Ein Kampf, der – unabhängig davon, dass Trump und die Vereinigten Staaten eine formelle Übernahme aufgeben könnten, und sogar unabhängig von Trump und den Vereinigten Staaten überhaupt – notwendig sein wird.
Wenn Trump die Eroberung nicht vollständig gelingt und gleichzeitig das wirtschaftliche und militärische imperialistische Bündnis über den Atlantik hinweg vollständig zerbricht – dann werden die dänische Regierung und die EU eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie die Zukunft für die Selbstbestimmung der Grönländer:innen aussehen wird – sowohl in Bezug auf die militärische Aufrüstung als auch die Ausbeutung des grönländischen Untergrunds.
Und schon aus diesem Grund wäre es verwerflich, zu Illusionen beizutragen, dass die Grönländer:innen den Machthabern in Dänemark und der EU vertrauen können. Denn es besteht kein Zweifel, dass das Ziel dieser Parteien darin bestehen wird, eine Lösung zu finden, die in erster Linie ihren eigenen imperialistischen Interessen in Bezug auf den grönländischen Untergrund und die militärische Kontrolle der Arktis entspricht. Und nicht dem der grönländischen Selbstverwaltung, die sowohl dem Wettrüsten in der Arktis als auch dem umweltgefährdenden Bergbau sehr ?? widerstrebend ?? gegenübersteht.
Die Aufrüstung der Arktis bedroht sowohl die Sicherheit der Grönländer:innen als auch den Weltfrieden und muss gestoppt werden!
Es mag sehr vernünftig klingen, einige (weitere) dänische Soldat:innen zu entsenden, um „symbolisch Grönland vor einer militärischen US-Übernahme zu schützen“ – wenn die grönländische Selbstverwaltung und sogar die linke Partei IA [3] das wollen.
![]() Protest-Cap (Zeichnung: VitoxxMass) |
Das ist offensichtlich der Fall – und anscheinend sind alle auch begeistert, dass stattdessen auch eine ziemlich große Anzahl europäischer NATO-Truppen nach Grönland und in die umliegenden Gewässer kommen wird. Der Enthusiasmus der Enhedslisten war auf die massive „europäische Solidarität mit der Souveränität Grönlands“ zurückzuführen. Dieser Blickwinkel wurde auch von vielen Journalist:innen stark hervorgehoben.
Aber: Das große Truppenaufgebot wird offiziell völlig anders dargestellt, nicht als Schutz Grönlands gegenüber den Vereinigten Staaten, sondern als Schutz Grönlands, der NATO und zu einem großen Teil auch der Vereinigten Staaten gegenüber Russland und China. Das heißt, als Versuch zu demonstrieren, was Dänemark und andere bereits gesagt haben, nämlich dass die Reichsgemeinschaft bereitwillig alle Träume Trumps von einer Wahnsinnsaufrüstung erfüllt – also brauche er Grönland gar nicht zu übernehmen!
Es ist klar, dass die Aktion beiden Zwecken dient – und dass es auf diese Weise ein kluger Schachzug ist, wenn man die Vereinigten Staaten davon überzeugen will, dass eine militärische Übernahme sehr schwierig und kostspielig sein wird – und dass die kühnsten Träume der Vereinigten Staaten von der Aufrüstung Grönlands und der Arktis mit Freude und Begeisterung von Dänemark mit Unterstützung der anderen europäischen NATO-Länder erfüllt werden.
Hier ist für eine Partei wie die Enhedslisten eine Grenze erreicht. Oder besser gesagt: Sie sollte erreicht sein.
Schließlich sind wir auf das Schärfste gegen die Aufrüstung der imperialistischen Blöcke zum Krieg gegeneinander. Deshalb kämpfen wir auch für eine entmilitarisierte Arktis, für gegenseitige Abrüstung – und damit gegen den offensichtlichen Schub im Wettrüsten, den die gerade begonnene NATO-Eskalation um Grönland sehr stark zum Ausdruck bringt.
Denn das ist weder eine Verteidigung der Grönländer:innen noch des Weltfriedens
Die gemeinsamen Aufrüstungspläne Dänemarks, der NATO und der Vereinigten Staaten in der Region Grönland haben sehr wenig mit der Verteidigung Grönlands zu tun – und absolut nichts mit dem Schutz der grönländischen Bevölkerung. Zum Beispiel sind die Überwachung und Bekämpfung russischer U-Boote in den Gewässern um Grönland, die verhindern soll, dass die russischen U-Boote die Vereinigten Staaten aus der Nähe bedrohen können, und der Bau eines Raketenschilds über Grönland („Golden Dome“), der die Vereinigten Staaten gegen russische Raketen sichern soll, in keiner Weise eine „Defensivverteidigung“ des Königreichs. Vielmehr wird diese Bewaffnung in der Arktis Grönland und die Grönländer:innen felsenfest zu einem ersten Kriegsziel machen.
Was bedeutet es für den Weltfrieden, wenn es einem „Golden Dome“ tatsächlich gelingt, die derzeit aggressivste imperialistische Macht, die Vereinigten Staaten, davon abzuhalten, etwas auf den Kopf zu bekommen, wenn sie den Dritten Weltkrieg beginnen würde? Dann steigt die Gefahr, dass ein Präsident wie Trump in einem bewaffneten Konflikt mit Russland/China das Risiko eingeht und die Welt in einen Atomkrieg stürzt. Und Trump hat erst letzte Woche den „Golden Dome“ als „nationales Sicherheitsinteresse“ der Vereinigten Staaten hervorgehoben, der die Eroberung Grönlands erforderlich macht.
Die grönländische Selbstverwaltung hat – trotz wirtschaftlichen Drucks – mehrfach blockiert, als gierige Unternehmen unterschiedlicher Nationalitäten die umweltschädliche Gewinnung von Rohstoffen im grönländischen Untergrund planten. Und es besteht kein Zweifel, dass eines der rationaleren Argumente für Trumps Wunsch, eine umfassende formale Hoheit über Grönland zu haben, genau darin besteht, alle Hindernisse – wie die Umweltgesetzgebung – für US-amerikanische Unternehmen zu beseitigen, um die Rohstoffe Grönlands zu nutzen. Daher muss man auch befürchten, dass ein Teil einer Verhandlungslösung hässliche Zugeständnisse an Wünsche in diese Richtung enthalten könnte. Egal ob Trump dies bereits mit dem NATO-Generalsekretär besprochen hat oder nicht … Und man muss befürchten, dass Dänemark/EU mehr daran interessiert sein werden, einen Anteil am Kuchen zu bekommen, als daran, das Vetorecht der Grönländer:innen zu sichern.
In diesem Zusammenhang reicht es nicht einmal aus, dass das Entscheidungsrecht der Grönländer:innen über Umweltgesetze etc. gewahrt bleibt. Grönland müssen auch ökonomische Grundlagen gesichert werden, damit der wirtschaftliche Druck sie nicht mehr oder weniger zum Ausverkauf des Naturschutzes zwingt.
Eine echte grönländische Selbstverwaltung erfordert wirtschaftliche Unabhängigkeit. Derzeit ist die wirtschaftliche Situation ein großes Hindernis für die Selbstverwaltung, neue Aufgaben an sich zu ziehen. Die erste Forderung muss sein, dass der Blockzuschuss [4] erhöht – und bedingungslos gemacht wird, damit ein unabhängiges Grönland möglich wird. Eine offensichtliche weitere Forderung ist eine dänische „Kolonialentschädigung“, die es der Selbstverwaltung ermöglichen wird, stark in eine nachhaltige, volkseigene und -verwaltete Wirtschaftsentwicklung zu investieren, die eine stabile wirtschaftliche Grundlage für ein selbstfinanziertes, unabhängiges Grönland schaffen kann.
Es ist klar, dass es im Moment darum geht, eine möglichst starke Front gegen Trumps Drohungen zu schaffen, für die Achtung der Grenzen Grönlands und für das Selbstbestimmungsrecht des grönländischen Volkes.
Und natürlich liegt es ganz bei den Grönländer:innen, zu entscheiden, was sie letztendlich hier und jetzt akzeptieren wollen, um eine Verhandlungslösung zu erreichen, in einer Situation, in der sie mit überwältigenden Drohungen aus den Vereinigten Staaten konfrontiert sind – und falschen Versprechungen von allen Seiten.
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Aber das bedeutet nicht, dass wir, einschließlich der Enhedslisten, eine „Lösung“ feiern sollten, die im Prinzip imperialistische Interessen zementiert – weder die der Vereinigten Staaten noch Dänemarks und der EU.
Von Anfang an sollte sich die Enhedslisten über die Probleme einer „erfolgreichen Verhandlungslösung“ im Klaren sein, eines „Deals“ mit Trump, der die Souveränität der Reichsgemeinschaft nicht antastet, aber eine katastrophale arktische Aufrüstung, wachsende Möglichkeiten für imperialistischen Raubbau der natürlichen Ressourcen Grönlands und die faktische Ankettung Grönlands in der sogenannten Reichsgemeinschaft beinhaltet.
Der Kampf um echte grönländische Unabhängigkeit und gegen Umweltkatastrophen und Wahnsinn geht weiter – unter leicht veränderten Bedingungen, aber unabhängig vom Ausgang des derzeitigen Armdrückens. Es wird notwendig sein, an der beeindruckenden Unterstützung der Bevölkerung für die Forderung der Grönländer:innen nach Selbstbestimmung festzuhalten – und für weitergehende Forderungen, die Selbstbestimmung real machen können. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, eine antiimperialistische Solidarität in der Bevölkerung aufzubauen und Unterstützung für diese Forderungen in Dänemark – und den anderen imperialistischen Ländern –aufzubauen.
Stoppt den imperialistischen Raubzug der USA – verteidigt das Recht Grönlands auf Unabhängigkeit!
Kündigung des Stationierungsabkommens mit den USA!
Stopp der Waffenkäufe Dänemarks – und Europas – in den USA!
Wirtschaftssanktionen der EU gegen die USA!
Dänemark muss Grönlands wirtschaftliche Unabhängigkeit sicherstellen.
Erhöhter und bedingungsloser Blockzuschuss – und eine Kolonialentschädigung, die das Land für nachhaltige Investitionen in eine unabhängige Wirtschaft nutzen kann!
Nein zu Raubbau und Umweltzerstörung, nein zum Imperialismus durch Verträge!
Den Grönländer:innen muss die volle demokratische Kontrolle über den Untergrund des Landes gewährleistet werden.
Nein zur Aufrüstung in der Arktis!
Grönländer:innen müssen das Recht haben, alle militärischen Einrichtungen in ihrem Land und in ihren Gewässern einzuschränken/abzulehnen.
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Sekretariat der Socialistisk Arbejderpolitik, 26. Januar 2026 |
Dieser Artikel erschien in der Online-Ausgabe von die internationale Nr. 1/2026 (Januar/Februar 2026) (nur online). Auch bei intersoz.org. | Startseite | Impressum | Datenschutz