Griechenland

Der blutige Kampf des Imperialismus gegen die Résistance

Nach dem Sieg der griechischen Résistance über die nationalsozialistische Besatzungsmacht wurde sie von den griechischen Monarchisten, Faschisten und britischen Imperialisten brutal bekämpft. Sie wurde von Stalin fallengelassen und dann von der eigenen, Moskau-hörigen Führung in die Irre geführt, deren Politik der nationalen Einheit schließlich in einer Niederlage endete.

Marc Pavlopoulos

Seit der Unabhängigkeit von 1830 hat Griechenland zum Einflussgebiet Großbritanniens gehört. Die britische Regierung hat dem Land seinen ersten König, Otto I. von Bayern, und dann die Glücksburg-Dynastie aufgezwungen, als jener zu unpopulär geworden war. Während des ganzen 19. Jh. hielt Großbritannien dieses Land am Ausgang des östlichen Mittelmeers unter seiner politischen und finanziellen Fuchtel, weil hier sein Handelsweg von und nach Nahost und Indien durchführte.

Die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre hat die relativ geringe Zahl Lohnabhängiger und große Teile der Bauernschaft, des Handwerks und des Kleinhandels ins Elend gestürzt; Streiks und Demonstrationen nahmen zu. 1934 haben sich viele im Programm und in der Losung der jungen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) wiedererkannt, in der Forderung nämlich nach „Laokratia“ (Macht des Volkes). Diese Forderung beinhaltete Schuldenstreichung, Verstaatlichung der Banken und insbesondere der ausländischen Großunternehmen sowie Landreform gepaart mit der Konfiszierung von Großgrundbesitz, Trennung von Kirche und Staat und progressive Steuern. [1] Für die Durchsetzung der „Laokratia“ ist die KKE für die Schaffung einer breiten antifaschistischen Front und für die Machteroberung über die Wahlurnen eingetreten wie alle europäischen KPen, was der Linie der Komintern entsprach. An dieser Linie hat sie bis 1946 festgehalten.

Die soziale Agitation hat das Land destabilisiert. Die herrschende Klasse, Republikaner wie Monarchisten, hatten Angst. Auf einen ersten republikanischen Staatsstreich im Jahr 1935 folgten 1936 die Wiedereinsetzung des Königs und die faschistische Diktatur von General Metaxás. Die verfassungsmäßigen Freiheiten wurden aufgehoben und alle politischen Parteien aufgelöst. Die KKE-Mitglieder wurden verfolgt, gefangengenommen, infiltriert und zum Verrat gedrängt.

Am 28. Oktober 1940 trat dieses mit Großbritannien verbündete monarchistisch-faschistische Regime in den Krieg ein, zuerst gegen Italien und dann gegen Deutschland. Im März 1941 entschied Churchill entgegen der Meinung seines eigenen Hauptquartiers im Nahen Osten, die libysche Front zu räumen, wo seine Truppen gegen die Italiener kämpften, und 50 000 Mann nach Griechenland zu verlegen. Der britische Premierminister hat dem Land schon damals eine Bedeutung zugemessen, die weit über den militärischen Aspekt hinausging. Das aber konnte die Niederlage im darauffolgenden Monat nicht mehr verhindern. In Athen übernahm eine Kollaborationsregierung das Ruder und die Briten zogen sich nach Ägypten zurück. Dabei nahmen sie den König und die Grundlage nationaler Souveränität mit: Das Gold der Bank Griechenlands und was von der Armee übriggeblieben war. Georg II. wählte London als Exil und ließ seine Truppen, seine Marine, seine Regierung und eine große griechische Gemeinde in Kairo zurück.


Die EAM, eine siegreiche Widerstandsfront


In Griechenland kam die Besatzung bald unter Druck. Am 30. Mai 1941 tauschten zwei junge Männer, einer der beiden war Manolis Glezos, auf der Akropolis die Nazi-Fahne gegen die blau-weiße griechische Flagge aus. In den Bergen griffen Dorfbewohner zu den Waffen, die die griechische Armee bei ihrem Rückzug versteckt hatte. Es bildeten sich spontan die ersten Widerstandsgruppen in der Tradition der Kleften (griechische Widerstandskämpfer gegen die türkische Herrschaft) von 1821. Die brutal verfolgte KKE erstand neu aus der Asche. Im Juli 1941 hat eine Vollversammlung ein Zentralkomitee und einen neuen Generalsekretär gewählt. [2]

Die KKE hat sofort auf die Schaffung eines Bundes sämtlicher Gewerkschaften mit dem Namen EEAM (Nationale Arbeiterbefreiungsfront) [3] hingearbeitet. Sie hat zudem alle nichtfaschistischen politischen Parteien zur Bildung einer EAM [4] (Nationale Befreiungsfront) aufgefordert. Lediglich die EEAM und drei kleine sozialistische Parteien sind dem Aufruf der KKE gefolgt. Die EAM wurde am 27. September 1941 gegründet. Laut ihren Statuten strebte sie die Befreiung des Landes von der Besatzung an, die Bildung einer provisorischen Regierung zur Vorbereitung von Wahlen zu einer verfassunggebenden Versammlung bei der Befreiung des Landes und den Sturz der verhassten Monarchie.

Nach der schrecklichen Hungersnot im Winter 1941/42, bei welcher über 200 000 Menschen starben, ist es im Frühjahr 1942 zu den ersten großen Streiks und Demonstrationen gegen die Besatzer gekommen. Die KKE setzte auf den Massenkampf in den Städten und nicht auf den Guerillakrieg. Aus Misstrauen gegenüber dem libertären und undisziplinierten Geist der autonomen Befreiungsbewegung in den Bergen hat die KKE deren Führung übernommen. Im Februar 1942 hat die EAM die Griechische Volksbefreiungsarmee gegründet, deren Name gleich klingt wie der Name des Landes: ELAS. [5] Die ELAS hat in kurzer Zeit viele Leute rekrutiert: 1942 zählte sie 10 000 Kämpferinnen und Kämpfer, im November 1944 bereits deren 50 000. Sie trugen Bauernmütze und Gradabzeichen. Im Sommer 1943 hatte die ELAS mit eigener Kraft den größten Teil der Bergregion, der Dörfer und Vorstädte, wo die einfachen Leute lebten, befreit. Die meisten ihrer Waffen hatte sie dem Feind abgenommen. Die Nazis mussten sich auf die Stadtzentren beschränken.

Die Bevölkerung organisierte sich im „Freien Griechenland“ selbst. In jedem Dorf wurden regelmäßige Volksversammlungen abgehalten, die von einem gewählten Vorstand geleitet wurden, der für die Lebensmittelversorgung, die Sicherheit, die Verwaltung, die Schule und die Kirche verantwortlich war. Es wurde auch ein Volksgericht gewählt, das die Kollaborateure abzuurteilen, aber auch Streitigkeiten zwischen DorfbewohnerInnen zu schlichten hatte. Der Vorstand erstattete der Volksversammlung, die die Vorstandsmitglieder abwählen konnte, Bericht. Es war völlig neu, dass Männer und Frauen ab 17 Jahren das Stimmrecht besaßen.

 

Churchills Notizzettel

Im März 1944 wurde eine „Bergregierung“ geschaffen. Sie setzte die in den Dörfern beschlossenen Gesetze über die Selbstverwaltung und die Volksjustiz in Kraft und schuf eine Zivilgarde für die polizeilichen Aufgaben. Im April 1944 führte die EAM – noch immer unter der Besatzung – sogar nationale Wahlen durch. Zwei Millionen Griechinnen und Griechen haben einen Nationalrat gewählt, der die gesetzlichen Grundlagen für ein freies Griechenland schuf. Er konnte sich aber nur einmal zu einer Versammlung treffen. Das Libanon-Abkommen, auf das weiter unten eingegangen wird, hat diese Arbeiten abrupt beendet.

Zu Beginn des Jahres 1944 war also ein Teil des „Laokratia“-Programms umgesetzt. Dabei wurden allerdings jene gebremst, die zu schnell vorwärts gehen wollten, vor allem in Bezug auf die Landreform und die Trennung von Kirche und Staat. Trotzdem gewann die EAM enorm an Popularität. Bei der Befreiung zählte sie 1,5 Mio. Mitglieder.


1942/43: Churchills Politik des „Teile und herrsche“


Angesichts der Erfolge der EAM machte sich bei den Briten rasch Besorgnis breit. Sie versuchten, Gegenfeuer zu entfachen. Ab Juli 1942 versorgten sie auf dem Festland eine kleine, rechtsstehende republikanische Organisation mit sehr viel Geld: die EDES (Nationale und demokratische Liga Griechenlands). [6] Sie drohten deren Chef, ihn bei den Nazis zu denunzieren, falls er sich nicht am bewaffneten Kampf gegen sie beteiligt. Der von der britischen Armeemission manipulierten und angetriebenen EDES gelangen so viele Zusammenstöße mit der ELAS, dass es im Winter 1943/44 zu einem „ersten Bürgerkrieg“ zwischen den beiden Organisationen kam.

Ab Sommer 1943 erstarkten gleichzeitig mehrere faschistische und nationalistische Milizen. Sie rekrutierten in den Elendsvierteln jener Städte, in denen Hunger herrschte, und wurden von Industriellen und Spekulanten finanziert, die sich auf dem Schwarzmarkt oder mit Gütern bereichert hatten, die den Juden abgenommen worden waren. Diese bewaffneten Banden, die ihr Hass auf die „slawophilen Kommunisten“ einte, terrorisierten die Bevölkerung auf dem Land und in den armen Vorstädten und massakrierten die EAM-Mitglieder. Die Briten unterstützten insgeheim mehrere von ihnen, obwohl sie wussten, dass sie mit den Nazis kollaborierten.

Churchill hat später in seinen Memoiren geschrieben: „Die Griechen sind zusammen mit den Juden jene Rassen, die sich am stärksten für Politik begeistern. So verzweifelt ihre Lage auch sein mag, so stark ihr Land auch bedroht ist, sie sind stets in zahlreiche Parteien zersplittert mit vielen Chefs, die sich hartnäckig bekämpfen.“ [7] Hier urteilt ein Künstler, der sein eigenes Werk betrachtet: Churchill hat diese Zerstrittenheit mit Zehntausenden Pfund in Gold selbst verursacht, einzig um zu verhindern, dass die ELAS den Widerstand und das Land zu einen vermag.

Doch der britische Premierminister hat sehr wohl gesehen, dass die Strategie der Spaltung nicht genügte. Bereits im September 1943 hat er seinen Chefs im Generalstab geschrieben, dass nach dem Abzug der Deutschen „5000 britische Soldaten nach Athen verlegt werden sollten, ausgerüstet mit Panzerwagen und mit Maschinengewehren ausgerüstete Kettenfahrzeuge zur Unterstützung der wieder eingesetzten legalen Regierung vor Ort“, d. h. des Königs. Er hat diese Landung britischer Soldaten während des ganzen Jahres 1944 im Geheimen persönlich vorbereitet.


1944 schnappt die britische Falle zu


Währenddem EAM- und ELAS-Soldaten und -mitglieder den Engländern, die seit Sommer 1943 keine Waffen und Ausrüstungen mehr geliefert hatten, mehr und mehr misstrauten, wollte die KKE-Führung die Wiedereinführung der Monarchie verhindern und gleichzeitig die breitestmögliche nationale Einheit selbst mit der von den Engländern unterstützten royalistischen Regierung in Kairo anstreben. In diesem Widerspruch gefangen akzeptierte die EAM im Laufe des Jahres 1944 eine Reihe von Abkommen, die von den Mitgliedern sofort als Kapitulationen empfunden wurde. Jedes Mal haben die Führungsmitglieder im Nachhinein gemerkt, dass sie zu stark nachgegeben hatten. Bei diesen für die stalinistischen Führungen typischen Schwankungen haben sie dann jeweils im Nachhinein ihre Positionen verhärtet … bevor sie an den Verhandlungstisch zurückkehrten, um sich erneut an der Nase herumführen zu lassen. Gleichzeitig haben sie parteiintern die Opposition insbesondere einiger Armeechefs unterdrückt. [8] Churchill und der von ihm in Kairo eingesetzte griechische Premierminister Georgios Papandreou [9] hatten zu diesem Zeitpunkt einen gemeinsamen Plan und waren fest entschlossen, ihn umzusetzen.

Churchill wollte vor allem die militärische Situation einfrieren. Mit den Plaka-Abkommen vom Februar 1944 war dieses Ziel erreicht. Als die ELAS dabei war, die EDES zu vernichten, setzte der Chef der britischen Militärmission durch, dass jeder das Gebiet behielt, über das er gerade die Kontrolle besaß. Dabei kam es zu keinerlei militärischer oder politischer Einigung (bei der die ELAS zweifellos die Oberhand gehabt hätte).

Im April 1944 verlangte Papandreou kurz nach seiner Ernennung zum Premierminister offen die Auflösung der ELAS. Wie er mehrere Jahre später selbst erklärt hat, musste er dafür zuerst durchsetzen, dass die royalistische Regierung bei der Befreiung nach Athen umzieht. Dies war ohne Zustimmung der KKE nicht möglich. Die KKE musste also zu möglichst schlechten Bedingungen in die Regierung aufgenommen werden. Dabei haben die Libanon-Abkommen geholfen: Die Vertreter des freien Griechenland haben auf ihre Forderung nach Bildung einer Regierung der nationalen Einheit verzichtet, ohne bezüglich Regierungszusammensetzung einen Gegenwert zu verlangen. Die EAM war entsprechend schwach in der Regierung vertreten.

TV-Dokumentation

Britische Fernsehdokumentation mit vielen Zeitzeugengesprächen: "The Hidden War" – nach der Erstausstrahlung 1986 mussten alle Kopien vernichtet werden; nur eine Version mit griechischen Untertiteln überlebte und ist auf YouTube verfügbar. Teil 2 ist bei YouTube gesperrt, aber u. A. über einen etwas zwielichtigen Mirror erreichbar (nur das Video anklicken, nichts herunterladen, nichts installieren). Für Teil 3 ließ sich keine Internet-Quelle ermitteln.

 

Das dritte Ziel war, die KKE dazu zu bringen, die britische Landung zu akzeptieren. Am 25. September ließ Papandreou den wichtigsten Chef der ELAS, zwei EAM-Minister sowie einen KKE-Vertreter nach Caserta bei Neapel kommen. Diese akzeptierten, dass die Widerstandskräfte dem Kommando des britischen Generals Scobie unterstellt werden, sicherten zu, dass die Milizionäre und Kollaborateure gut behandelt werden, wenn sie sich ergeben, und stimmten zu, dass die Attika-Region ausschließlich Scobies Autorität unterstellt wird. Die ELAS war sogar damit einverstanden, dass drei Kollaborateure zu Stadtpräsidenten von Athen, Patras und Thessaloniki ernannt werden, mit denen sie zusammenarbeiten musste!

Alles war so eingerichtet, dass übergangslos die deutsche Besatzung von der britischen abgelöst und die ELAS entwaffnet werden konnte. Jetzt musste nur noch das einzige Land neutralisiert werden, das der revolutionären Bewegung in Griechenland hätte beistehen können: die UdSSR.


Feilschen mit Völkern und der Verrat der Sowjetunion


Im Mai 1944 unterbreitete der britische Außenminister Eden den Sowjets folgenden Vorschlag: „Provisorisch betreffen die Angelegenheiten Rumäniens im Speziellen die UdSSR. Im Gegenzug lässt die UdSSR dem Vereinigten Königreich freie Hand (sic) in Griechenland.“ Stalin akzeptierte den Deal und hielt sich daran. Als die Sowjetarmee im September 1944 in den Süden Bulgariens vorstieß, machte sie an der griechischen Grenze halt. Am 9. Oktober, unmittelbar vor der Landung der britischen Truppen in Athen, eilte Churchill nach Moskau, um diesen Handel auf ewig zu besiegeln. Noch am Abend seiner Ankunft schlug er Stalin vor, „ihre Angelegenheiten auf dem Balkan zu regeln“. „Auf einem halben Blatt“ notierte er folgende Prozentsätze:

„Ich habe das Blatt Papier Stalin zugeschoben, dem das Ganze übersetzt worden war. Es gab eine kurze Pause. Dann nahm er seinen Blaustift, machte einen großen Haken als Zeichen der Zustimmung und schob es uns zurück. […] Es folgte ein langes Schweigen. Das blau abgezeichnete Blatt Papier blieb in der Mitte des Tisches liegen. Schließlich sagte ich: ‚Mutet es nicht einwenig zynisch an, dass es den Anschein macht, als ob wir diese Probleme, von denen das Schicksal von Millionen Menschen abhängt, leichtfertig gelöst hätten? Verbrennen wir das Blatt Papier.’ ‚Nein, behalten Sie es’, sagte Stalin.“ [10]

Die meisten Führungsmitglieder der KKE konnten sich überhaupt nicht vorstellen, dass die Alliierten, insbesondere die Sowjetunion, zu solchen Machenschaften fähig waren. Doch nach langem Schweigen haben ihnen die sowjetischen Behörden mitgeteilt, sie könnten nichts für sie tun. Sie haben sie dazu ermuntert, der royalistischen Regierung bedingungslos beizutreten. Andererseits hatten die Führungsmitglieder der KKE letztendlich die militärische Einnahme Athens im Auge. Doch sie bezweifelten, dass die erschöpfte und schlecht ausgerüstete ELAS die Hauptstadt gegen die Engländer ohne sowjetische Unterstützung lange würde halten können. Deshalb haben sie beherzt den Weg der Zugeständnisse gewählt.


Von der Schlacht um Athen zur Kapitulation in Varkiza


Am 11. Oktober 1944 verließen die Deutschen Athen und erklärten es zur „offenen Stadt“. Wenig später begrüßte die KKE Papandreou und seine Regierung auf dem Syntagma-Platz (vor dem Parlament), während die britischen Fallschirmspringer und Truppen in Piräus an Land gingen. Papandreou ordnete sehr schnell die Auflösung der ELAS an und wartete ständig mit neuen Provokationen auf. Das EAM- Zentralkomitee forderte seinen Rücktritt und organisierte am 3. Dezember 1944 eine Großdemonstration. Die Polizei schoss auf eine friedliche Menge und es gab 23 Tote und 120 Verletzte. Churchill befahl Scobie per Telegramm, jeden ELAS-Kämpfer sofort erschießen zu lassen: „Zögern Sie nicht, so vorzugehen, wie wenn Sie sich in einer eroberten Stadt befänden, in der es zu einer lokalen bewaffneten Revolte gekommen ist. […] Wir müssen Athen halten und beherrschen. Wenn Sie dies wo möglich ohne Blutvergießen schaffen, wäre dies für Sie eine großartige Sache. Sonst mit Blutvergießen, falls dies unvermeidlich ist.“

Die Schlacht um Athen zwischen der ELAS und den britischen Streitkräften, die von der griechischen Nationalgarde und verschiedenen Milizen unterstützt wurden, die mit der Besatzungsmacht kollaborierten, dauerte über einen Monat. In den ersten zwei Wochen hat die ELAS Fortschritte erzielt und die Briten waren im Zentrum Athens auf 3 km2 zusammengepfercht, die ironischerweise „die Scobia“ genannt wurde (nach dem Namen des Generals Scobie). Doch die Engländer bombardierten Athen (was die Deutschen nie gemacht haben) und schickten Verstärkung, vor allem Regimenter aus den Kolonien. Ende Dezember, nach blutigen Kämpfen, bei denen aufseiten der ELAS 3000 gefallen und 8000 gefangen genommen wurden (ohne die Opfer unter der Zivilbevölkerung zu zählen), während es bei den Engländern sehr wenige Opfer gab, hat sich die ELAS zurückgezogen und schließlich einem Waffenstillstand zugestimmt, der für sie sehr nachteilig war. Sie hat sich sehr genau daran gehalten, während die Briten ihre Gefangenen nicht zurückgegeben haben.

Vor Beginn der Konferenz von Jalta wollte Churchill seine stärkere Position festigen. Die ELAM wollte eine Verschnaufpause, denn die Bevölkerung und die Kampftruppen waren erschöpft. Am 2. Februar haben in Varkiza neue Verhandlungen begonnen. Sie endeten mit der totalen und endgültigen Kapitulation. Die ELAS wurde aufgelöst. Von der Amnestie für „die Dezember-Ereignisse“ waren „Vergehen nach allgemein geltendem Recht wie Verstößegegen Leben und Eigentum, die nicht gezwungenermaßen zu politischen Delikten gehören, ausgeschlossen.“Die Säuberung nach Kriterien wie „Moral, Charakter und Berufskenntnissen“ wurde der Regierung überlassen. Was bedeutete, dass es keine Säuberungen geben würde. Im Gegensatz dazu hatten die ELAS-Kader vor „Sonderkommissionen“ zu erscheinen, die der Regierung unterstanden. Die demokratischen Freiheiten, die 1936 suspendiert worden waren, wurden erst nach der vollständigen Entwaffnung des Widerstandes und nach der Ernennung neuer Lokalbehörden wieder in Kraft gesetzt. In Tat und Wahrheit wurden die Selbstverwaltungskomitees aufgelöst und durch die Behörden aus der Metaxás-Zeit ersetzt.


Terror und Bürgerkrieg


Zwei Jahre später hatten Churchill und seine griechischen monarchistisch-faschistischen Getreuen ihre Ziele erreicht: die ELAS entwaffnet, eine Widerstandsbewegung geschlagen, die das Land überzogen hatte, sowie eine wachsende revolutionäre Bewegung besiegt. Die ELAS-Kämpfer legten ihre Waffen oft unter Tränen zu Füßen britischer Offiziere ab. Terror überzog das Land: über 20 000 Verhaftungen für „im Dezember begangene Verbrechen“ (es wurden ihnen auch zahlreiche Morde an Milizionären und sogar an Italienern und Deutschen angelastet!), 3000 Todesurteile alleine von Februar bis Juli 1945. Die Milizionäre selbst wurden nicht belästigt,sondern im Gegenteil in Armee und Polizei integriert.

      
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Die Wahlen von 1946 waren eine solche Maskerade, dass sich Frankreich weigerte, am Internationalen Komitee zur Überwachung der Wahlen teilzunehmen, und mehrere liberale Minister ihr Amt niederlegten. Sie nannten die Wahlen „eine Komödie“. Die Royalisten haben gesiegt, was keine Überraschung war. Und mit einer ebenso undemokratisch organisierten Volksbefragung wurde die Monarchie wieder eingeführt. Nach der Einrichtung dieser angeblichen Legitimität wurden Streiks verboten, die Gewerkschaftsleitungen abgesetzt, der Presse ein Maulkorb verpasst. Die Gerichte wurden durch Sonderrechtssprechungen ersetzt, deren Urteile ohne Revisionsmöglichkeit innerhalb von drei Tagen vollzogen wurden. Tausende von ELAS-Kämpfer wurden zum Tode verurteilt, noch mehr in Lager in Makronissos und auf die Inseln der Ägäis deportiert.

Die Flucht in die Berge wurde zur Überlebensfrage, der Bürgerkrieg dauerte bis 1949. Die Kämpfer der demokratischen Armee Griechenlands (DSE) wurden zu Versuchskaninchen der Amerikaner bei Bombardierungen unter Einsatz von Napalm. Die Überlebenden sind in die sogenannten sozialistischen Länder geflohen, wo sie in Ghetto-Dörfern untergebracht oder nach Sibirien deportiert wurden. In Griechenland sind bis Mitte der 1950er Jahre Todesurteile gefällt worden. Die letzten Deportationslager sind … 1962 geschlossen worden. Die KKE ist bis zur Wiederherstellung der Republik im Jahr 1974 verboten geblieben. Der griechische Widerstand ist noch lange der innere Feind geblieben. Der nationale Befreiungskampf wurde vom Parlament erst 1982 als solcher anerkannt. Die ELAS- Kämpfer haben erst ab 1985 eine Veteranenrente erhalten.

Übersetzung: Ursi Urech



Dieser Artikel erschien in Inprekorr Nr. 4/2015 (Juli/August 2015). | Startseite | Impressum | Datenschutz


[1] Dieses Programm enthält zum Teil die gleichen Forderungen wie das Programm von Syriza aus den Jahren 2012/2013. Dies ist natürlich kein Zufall.

[2] Der vormalige Generalsekretär Zachariadis ist nach Dachau deportiert worden. Von dort ist er erst im April 1945 zurückgekehrt.

[3] EEAM: Ergatiko Ethniko Apeleftherotiko Metopo

[4] EAM: Ethniko Apeleftherotiko Metopo

[5] ELAS:Griechische VolksbefreiungsarmeeAuf Griechisch heißt „Griechenland“ Ellás

[6] EDES: Nationale und demokratische Liga Griechenlands

[7] Churchill, Mémoires, franz. Ausgabe, Band 5, Kapitel 13

[8] So z. B. Kapitanios (ungefähr svw. Hauptmann) Aris Velouchiotis, einer der größten Befehlshaberder ELAS. Weil er die Abkommen von Varkiza kritisiert hatte, wurde er aus der KKE ausgeschlossen und als „Renegat“ beschimpft. Er wurde wegen „Verbrechen gegen die demokratische Welt“ angeklagt und völlig isoliert, während er in den Bergen von den Engländern und der Nationalgarde gejagt wurde. In die Enge getrieben, beging er am 16. Juni 1945 Selbstmord.

[9] Großvater seines Namensvetters, der bis 2011 Premierminister war …

[10] Churchill, Mémoires, Band 6, Kapitel 1, S. 235/236