Ukraine

Mit dem Widerstand des ukrainischen Volkes – für seinen Sieg gegen die Aggression

Internationaler Aufruf

Wie zur Zeit des Befreiungskampfes des vietnamesischen Volkes haben wir immer auf der Seite der unterdrückten und angegriffenen Völker gestanden, ob sie nun von den USA (und ihren NATO-Verbündeten) oder der UdSSR (und ihren Verbündeten im Warschauer Pakt) angegriffen wurden.

Wir sind uns bewusst, dass der Kampf für nationale und soziale Befreiung der Völker über die verschiedenen Ozeane und Kontinente hinweg einzigartig und weltumspannend ist.

Wir haben nie akzeptiert und werden auch nie akzeptieren,dass irgendeine Macht oder ein Militärblock ein Volk daran hindern kann, über seine eigene Zukunft zu entscheiden, was im Widerspruch zum Recht der Völker auf nationale Selbstbestimmung steht.

Aus diesen Gründen stehen wir an der Seite des Widerstands des ukrainischen Volkes gegen die Aggression des russischen Imperialismus und seinen Versuch, das zaristische und später das sowjetische Imperium wieder zu errichten.

Wie bei anderen nationalen Befreiungskämpfen ist unsere Solidarität mit dem Volk der Ukraine bedingungslos und unabhängig von einem Urteil über seine politische Führung, weil es allein der Ukraine und den Ukrainer:innen obliegt, über die Zukunft ihres Landes zu entscheiden.

Es liegt auch ausschließlich in der Verantwortung des ukrainischen Volkes, zu entscheiden, ob es den Krieg für die nationale Unabhängigkeit fortsetzen und welche Bedingungen für einen Frieden mit dem Aggressor es akzeptieren will.

Der wirksame ukrainische Widerstand gegen die Invasion der russischen Supermacht zeigt zweifellos die Stärke des moralischen Faktors und den Willen der Bevölkerung und widerlegt die halbrassistischen Theorien, die die Ukrainer:innen zu einem bloßen Spielzeug in den Händen der NATO machen. In diesem Sinne können wir im Gegenteil sagen, dass das ukrainische Volk moralisch und politisch bereits gesiegt hat. Der militärische Sieg, den wir natürlich unterstützen, wird jedoch schwieriger zu erreichen sein.

Der von Putins halbdiktatorischem Regime gewollte Krieg:

Wenn das nationalistische halbdiktatorische Regime in Russland, das von vielen Organisationen der europäischen Rechten unterstützt wird, den Eindruck erweckt, es wolle die Ukraine „entnazifizieren“, ist dies eine Beleidigung der Opfer des Holocausts, des Antifaschismus und auch der Opfer der sowjetischen Völker im Krieg gegen das Dritte Reich.

Es ist nicht angemessen von einem Krieg zwischen Imperialismen zu sprechen, da die Ukraine kein imperialistisches Land ist, sondern sowohl vom russischen als auch vom westlichen Kapital durchdrungen wird.

Frieden kann nicht als ein Abkommen zwischen imperialistischen Mächten verstanden werden, die ihre Einflusssphären über die Bevölkerungen hinweg aufteilen.

Wir können nicht einfach sagen: „Stoppt den Krieg“, sondern wir müssen für den Rückzug der Invasionstruppen oder ihre militärische Niederlage kämpfen.

      
Mehr dazu
Ilya Budraitskis, Oksana Dutchak, Harald Etzbach, Bernd Gehrke, Eva Gelinsky, Renate Hürtgen, Zbigniew Marcin Kowalewski, Natalia Lomonosova, Hanna Perekhoda, Denys Pilash, Zakhar Popovych, Philipp Schmid, Christoph Wälz, Przemyslaw Wielgosz und Christian Zeller: Ukrainischen Widerstand unterstützen und fossiles Kapital entmachten, Emanzipation (18.8.2022)
Heino Berg, Thies Gleiss, Jakob Schäfer, Matthias Schindler und Winfried Wolf: Wider eine militärische „Lösung“ des Ukrainekriegs, die internationale Nr. 4/2022 (Juli/August 2022)
Internationale Sozialistische Organisation: Waffenstillstand sofort!Russische Armee raus aus der Ukraine!Die Kriegstreiber in Ost und West stoppen!Nein zu Krieg und Aufrüstung!, die internationale Nr. 3/2022 (Mai/Juni 2022)
Büro der Vierten Internationale: Krieg in der Ukraine: Solidarität mit dem ukrainischen Widerstand, gegen alle Imperialismen, die internationale Nr. 3/2022 (Mai/Juni 2022) (nur online)
Internationalistisches Manifest gegen den Krieg, intersoz.org (11.4.2022)
 

Man kann dem ukrainischen Volk nicht sagen, es solle Widerstand leisten, ohne ihm das Recht zuzugestehen, sich für seine legitime Verteidigung angemessene Waffen zu beschaffen, wo und wie es kann. Es kann keine Äquidistanz zwischen dem Widerstand eines Volkes und dem Aggressor geben.

Deshalb fordern wir maximale Solidarität, sowohl ideell als auch materiell, mit dem Widerstand des ukrainischen Volkes gegen Putins imperialistische Invasion. Wir fordern Solidarität mit denjenigen in Russland, die sich dem Krieg widersetzen und dabei viele Jahre Gefängnis riskieren, und mit jenen russischen Soldaten, die sich weigern, weiter gegen ihre ukrainischen Brüder zu kämpfen.

Zusätzlich zu den lokalen Initiativen zur Solidarität mit dem ukrainischen Volk schlagen wir vor, einen weltweiten Tag der Solidarität mit dem ukrainischen Widerstand zu verkünden, wie es beim Befreiungskampf in Vietnam und gegen die imperialistische Aggression im Irak der Fall war.

Auf der Grundlage unserer Erklärung schließen wir uns der Initiative des Europäischen Netzwerks für Solidarität mit der Ukraine - European Network in Solidarity with Ukraine (ENSU) - an.


Zu den Unterzeichner:innen dieses Aufrufs gehören:


Gilbert Achcar (Großbritannien); Manuel Aguilar Mora (Mexico); John Barzman (Frankreich); Jean Batou (Schweiz); Olivier Besancenot (Frankreich); Taras Bilous (Ukraine); Hugo Blanco (Peru); Robert Brenner (USA); Ilya Budraitskis (Russische Föderation); Joseph Daher (Schweiz); Denys Gorbach (Ukraine); Josu Egireun (Euskal Herria, Baskenland); Didier Epsztajn (Frankreich); Harald Etzbach (BRD); Samuel Farber (Cuba); David Finkel (USA); Franck Gaudichaud (Frankreich); Eva Gelinsky (BRD); Karl Grünberg (Schweiz); Jacqueline Heinen (Schweiz); Joxe Iriarte «Bikila» (Euskal Herria, Baskenland); Zbigniew M. Kowalewski (Polen); Dan La Botz (USA); Michael Löwy (Frankreich); Jan Malewski (Frankreich); Roberto Massari (Italien); Denis Paillard (Frankreich); Ian Parker (Großbritannien); Jaime Pastor (Spanien); Stalin Pérez Borges (Venezuela); Simon Pirani (Großbritannien); Charles Post (USA); Pierre Rousset (Frankreich); Julien Salingue (Frankreich); Catherine Samary (Frankreich); Anna Sailer (BRD); Patrick Silberstein (Frankreich); Francis Sitel (Frankreich); Murray Smith (Luxemburg); Ashley Smith (USA); Lars Steinau (BRD); Daniel Tanuro (Belgien); Farooq Tariq (Pakistan); Josette Trat (Frankreich); Enzo Traverso (USA); Jean Vogel (Belgien); Suzi Weissman (USA); Christian Zeller (Österreich).

Der Aufruf in mehreren Sprachen und die Liste aller Unterzeichner:innen finden sich bei utopiarossa.
Veröffentlicht am 7.6.2022



Dieser Artikel erschien in der Online-Ausgabe von die internationale Nr. 5/2022 (September/Oktober 2022) (nur online). | Startseite | Impressum | Datenschutz