ISO-Gründung

Internationale Sozialistische Organisation gegründet

Am 3./4. Dezember 2016 haben sich die internationale sozialistische Linke (isl) und der Revolutionär sozialistische Bund/ IV. Internationale (RSB) zur Internationalen Sozialistischen Organisation (ISO) vereinigt. Sie bilden jetzt gemeinsam die Sektion der IV. Internationale in Deutschland.

Daniel Berger

Auf der Konferenz in Frankfurt/Main waren neben etwa 70 Mitgliedern eine Reihe von Gästen der IV. Internationale aus dem nahen Ausland sowie einige Gäste aus dem Inland vertreten. Ein Genosse des Büros der IV. Internationale hielt ein Grußwort, auch andere Gäste (etwa von der GAM, der IL oder von Marx21) sprachen ein Grußwort oder beteiligten sich an den Diskussionen.

Der Vereinigungsprozess lief über mehr als zweieinhalb Jahre und war nicht ganz einfach, denn beide Organisationen hatten ein recht unterschiedliches Profi, gegründet auf einer anders gearteten Praxis und stellenweise auch unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Der Vereinigungsprozess erschien uns aber von Anfang an nicht nur als sinnvoll, sondern auch als machbar, denn als Mitgliedsorganisationen der IV. Internationale hatten beide Organisationen das reiche Erbe der Internationale bewahrt, vor allem was die programmatischen Grundlagen angeht. Darüber hinaus belegte gerade die Arbeit im B&G-Bereich, dass in diesem zentralen Arbeitsfeld einer revolutionär-marxistischen Organisation keine Differenzen zu erkennen waren, die eine getrennte Organisierung rechtfertigen würden. Im Gegenteil: Gerade weil die GenossInnen beider Organisationen in der Gewerkschaftslinken wie auch in den diversen gewerkschaftlichen Kampagnen an einem Strang zogen, war eine wesentliche Grundvoraussetzung von vornherein gesichert.


Grundlagentexte


Dennoch: Die Gespräche waren kein Selbstläufer. Am einfachsten war die Verständigung auf eine ProgrammatischeErklärung, die im Verlauf des Jahres 2016 vorgelegt, diskutiert und schließlich mit nur geringsten Abänderungen auf der Gründungskonferenz der ISO angenommen wurde.

Etwas schwieriger war die Erarbeitung eines gemeinsamen Selbstverständnisses. Einige meinten noch im Frühjahr 2016, dass hier gar kein gemeinsames Dokument erstellt werden könne. Aber diese Pessimisten wurden dann im Sommer durch die Vorlage eines Textes widerlegt, der sehr wohl den realen Annäherungsprozess beider „Quellorganisationen“ zum Ausdruck brachte. Dass es mit der Erarbeitung eines Statuts dann nicht mehr so schwierig war, leitet sich hieraus wie auch aus der gelebten gemeinsamen Leitungsarbeit in mehr als zwei Jahren ab.

Damit waren und sind aber noch nicht alle Unterschiede verschwunden, die die beiden Quellorganisationen ausgezeichnet hatten. Am deutlichsten wurde dies bei der Diskussion für ein Strategiepapier. Hier konnte bis zur Konferenz der Annäherungsprozess noch nicht voll abgeschlossen werden, sodass die Konferenz sich nicht in der Lage sah, sich für einen der beiden Entwürfe zu entscheiden. Hier wird die Diskussion in diesem Jahr fortgeführt, allerdings mit dem Ziel, auf der nächsten ordentlichen Bundeskonferenz ein entsprechendes Dokument zu verabschieden.

Die vorgelegte Politische Resolution wiederum hat gezeigt, wie nahe wir uns in der täglichen Praxis und der Analyse der klassenpolitischen Lage sind. Auch dieser Text wurde wie die erst genannten mit sehr großer Mehrheit verabschiedet. Insgesamt war schon erkennbar, dass längst nicht mehr nur entlang ehemaliger Organisationsgrenzen diskutiert wurde. Alle diese Texte sind abrufbar auf der Website der Organisation: http://intersoz.org

      
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Bleibt an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass als Ausdruck der internationalistischen Verpflichtung der ISO am Abend des ersten Tages eine Spendensammlung zur Finanzierung einer Druckmaschine für die pakistanische Sektion der IV. Internationale durchgeführt wurde. Zusammen mit der zugesagten Spende eines nicht anwesenden Genossen kamen auf diese Weise 1660 Euro zusammen.

Die Organisation wird sich am 3. Juni in einer öffentlichen Veranstaltung in Köln mit einem inhaltlichen Programm (Referate, Diskussion, Podiumsdiskussion) und einem abendlichen Fest vorstellen.


„Gewandelte Inprekorr“


Zu den Beschlüssen für die Vereinigung gehört die Herausgabe eines Magazins, basierend auf der bisherigen Inprekorr. Demnach wird die Zeitschrift weiterhin Artikel aus der Presse der IV. Internationale übersetzen, gleichzeitig aber den Teil, der bislang unter „die internationale“ firmierte, aufwerten, sodass er etwa die Hälfte des Heftes ausmachen wird.


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Dieser Artikel erschien in die internationale Nr. 1/2017 (Januar/Februar 2017).