Fundamentalismus

Religiöser Fundamentalismus

Die Angriffe islamisch-fundamentalistischer Organisationen gegen Ungläubige aus und in aller Welt lässt uns manchmal übersehen, dass das primäre Operationsfeld des politischen Islamismus muslimische Gesellschaften sind, denen es an Rechtgläubigkeit fehlen soll. Trotzdem ist von der imperialistischen Einmischung vor Ort kein Ende der Bedrohung zu erwarten.

Farooq Tariq

Länder mit muslimischen Mehrheiten sind im Griff unterschiedlicher Formen und Schattierungen des religiösen Fundamentalismus. Einige Länder sind davon mehr betroffen als andere, aber die Bedrohung wachst langsam aber stetig in diesen Ländern. Er ist zur großen Gefahr für die demokratischen Errungenschaften geworden, die durch den großen Aufstand der Massen dieser Länder errungen wurden.

Religiöser Fundamentalismus ist kein Phänomen, das nur von Individuen, Gruppen, Moscheen, Medressen (religiösen Schulen) oder Vereinigungen dieser Gruppen verbreitet wird; vielmehr können sie auf Unterstützung durch Staaten wie Saudi Arabien, den Iran, Sudan, Afghanistan zählen; manchmal nur für kurze Zeit, aber in einigen Fällen haben sie ihren Griff auf staatliche Strukturen konsolidiert. Das Ziel ist nicht, ihn (den Fundamentalismus) uber einen Kontinent oder die ganze Welt zu verbreiten, aber sie werden den Kampf für die Umsetzung ihrer Agenda des politischen Islams bis zum „Tag des Jüngsten Gerichts“ fortsetzen.

Um die Wurzeln des Wachstums des religiösen Fundamentalismus in den Ländern des Nahen Ostens zu verstehen, muss man den absolut klaren Fakt berücksichtigen, dass der amerikanische und der englische Imperialismus den politischen Islam bewusst als Gegengewicht zum Aufstieg nationalistischer und sozialistischer Bewegungen in den 50er und 60er Jahren forderten.

Am 5. Januar 1957 ersuchte US-Präsident Eisenhower den Kongress um die Verabschiedung einer Resolution, die es ihm erlauben wurde, jedem Golfstaat, der die kommunistische Bedrohung anerkannte, erhöhte militärische und wirtschaftliche Hilfe, ja sogar direkte US-Protektion zu versprechen. Zwei Monate später wurde die „Eisenhower- Doktrin“ vom Kongress verabschiedet. Um den Nahen Osten vor dem Kommunismus zu retten, wandte sich Eisenhower dem politischen Islam zu, gemeinhin bekannt als religiöser Fundamentalismus. Im Gefolge des „religiösen“ wurde der „polizeiliche und militärische“ Ansatz gleich mit übernommen.

Eisenhowers Doktrin wurde zum ersten Mal in Jordanien getestet, als die nationalistische Bewegung durch König Hussein brutal zerschlagen wurde, wobei die Muslim-Bruderschaft die Monarchisten unterstützte. Seitdem sind die bürgerlichen Freiheiten in Jordanien eingeschränkt.

Schon vorher wurde 1951 Mohammed Mossadegh, der iranische Premierminister, der es gewagt hatte, die Anglo Iranian Oil Company zu nationalisieren, durch einen von der CIA organisierten und von Ajatollah Kaschani unterstützten Staatsstreich gestürzt.

Diese historischen Beispiele, von denen es noch mehr gibt, helfen – zumindest teilweise – zu erklären, wie der Imperialismus zum Geburtshelfer für Organisationen wie der Hamas, der Hezbollah, der Mehdi Militi, Al Kaida, den Taliban und den iranischen Ajatollahs wurde.

Der letzte auf der Liste ist der Daesch [1](IS), der anfänglich von imperialistischen Kräften als Gegengewicht zum Aufstand im Nahen Osten und zum Sturz derer, die in Ungnade gefallen waren, unterstützt wurde. Daesch hat sich inzwischen zur barbarischsten terroristischen Gruppe entwickelt, die die Welt je gekannt hat; alles im Namen des „Islamischen Staates“.

Eine Bestie zu züchten und das Beste zu hoffen, war ein Irrweg. Die Unterstützung des religiösen Fundamentalismus in muslimischen Ländern durch die imperialistischen Kräfte war ihr gröbster politischer und organisatorischer Missgriff bei der Entwicklung von Strategien zum Schutz des Kapitalismus vor gegnerischen Ideologien.

An ihrer Seite haben die Saudis durch die Verbreitung ihrer wahabitischen Ideologie eine bedeutende Rolle bei der Stärkung und Unterstützung religiöser Gruppen in muslimischen Ländern gespielt. Saudische Finanzhilfe beschränkt sich nicht auf den Nahen Osten. Die Saudis versorgen auch rechte Gruppen in Bangladesch, Malaysia, Indonesien und den Malediven großzügig mit finanziellen Mitteln. Iran unterstützt schiitische Gruppen wie die Hezbollah. Kuwait und Katar unterstützen auf verschiedenste Weise Gruppen wie Hamas und die Taliban. Religiös-fundamentalistische Gruppen in verschiedenen muslimischen Ländern bedienen sich aller möglichen mittelalterlichen terroristischen Mittel, um ihre Gegner einzuschüchtern. Gefangene wurden mit Öl überschüttet und dann bei lebendigem Leib verbrannt. Die Erschießung von Gefangenen wurde auf Videos zur Schau gestellt. Diese barbarischen Taten haben die Welt stark erschüttert.

Die erste religiös-fundamentalistische Regierung eines muslimischen Landes gab es im Iran. Seit 1979 hat sie ihre Basis stabilisiert, beginnend mit der physischen Vernichtung aller Oppositionsgruppen und später mit der Durchsetzung sogenannter „islamischer Gesetze“, die sich vor allem gegen Frauen, demokratische Rechte und die Arbeiterbewegung richten. Das iranische Regime hat fanatische schiitische Gruppen weltweit bei ihrem Kampf gegen sunnitische und wahabitische Muslime unterstützt.

Die neun Jahre von 1992 bis 2001, während deren religiöse Fanatiker in Afghanistan an der Macht waren, spielten eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung des religiösen Fundamentalismus nicht nur in muslimischen Ländern, sondern weltweit. Sie führten den „Dschihad“ als Hauptwaffe der Verbreitung von Fanatismus ein. Der Islam wurde in den „politischen Islam“ verwandelt. Osama Bin Laden benutzte Afghanistan als Basis für die Planung und Durchführung aller terroristischen Aktivitäten. In den letzten Jahren seines Lebens wurde Pakistan zu seiner Zufluchtsstatte. In Pakistan fand am 16. Dezember 2014 der tödlichste Angriff religiöser Fanatiker auf eine Schule statt. 146 Menschen wurden in der Peshawar Army Public School getötet, darunter 136 Kinder im Alter zwischen 10 und 17 Jahren. Sie forderten die Kinder auf, Kalma [2]zu rezitieren und schossen dann auf sie. Es war ein Angriff muslimischer Fanatiker auf muslimische Kinder. Fast elf Prozent aller Kinder, die die Schule besuchten, wurden in den ersten 15 Minuten nach der Besetzung der Schule getötet. Die Auswirkung auf Kinder in ganz Pakistan war so niederschmetternd, dass mein 14 Jahre alter Sohn seine Mutter fragte, was er tun solle, wenn sie in seine Schule kamen: „sich anstellen oder wegrennen“. Die Ereignisse des Tages schockierten Pakistan und die ganze Welt. Die Meldungen über die Ermordung unschuldiger Kinder waren weltweit die Hauptnachricht des Tages. Schock und Wut waren gros.

Der pakistanische Staat hat bei der Eindämmung der Ausbreitung des religiösen Fundamentalismus schmählich versagt und ihn stattdessen stets mit Nachsicht behandelt. Lange Zeit wurde er vom Staat als zweite Sicherheitslinie gefordert. Das anti-indische Sicherheitsparadigma war das zentrale Motiv für die staatliche Protektion.

Pakistan befindet sich in einem Gebiet, in dem der Fundamentalismus in letzter Zeit zu einer der bedrohlichsten Herausforderungen entwickelte. Der Aufstieg des islamischen Fundamentalismus begann in den 80er Jahren. Einerseits benutzte der Militärdiktatur General Zia’u ’l-Haq die Religion, um seine Herrschaft zu rechtfertigen, und er „islamisierte“ Gesetze und die Gesellschaft. Andererseits wurde Pakistan zur Basis für Kräfte, die gegen die afghanische Revolution waren. Nach der russischen Invasion in Afghanistan verbündet sich Zia mit den USA, benutzt den Islam, um seine Macht zu stabilisieren, verabschiedet pro-islamische Gesetze und gründet viele Medressen. Sein Vorgehen schuf in Pakistan eine „Kultur des Dschihad“, die bis heute anhält.

In jüngster Zeit wurde der islamische Fundamentalismus nicht nur in Pakistan, sondern in der gesamten islamischen Welt zu einem alternativen politischen Phänomen.

Der islamische Fundamentalismus ist zum Teil ein Glied dieses internationalen Phänomens, zum Teil Resultat spezifischer lokaler Bedingungen. Bei der Analyse des islamischen Fundamentalismus muss man davon ausgehen, dass die islamische Religion und der islamische Fundamentalismus nicht gleichzusetzen sind. Der islamische Fundamentalismus ist jetzt eine reaktionäre, unwissenschaftliche Bewegung, die ungeachtet aller materiellen und historischen Faktoren die Gesellschaft in ein Jahrhunderte altes Korsett zwingen will. Er ist ein Versuch, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Der Fundamentalismus hat seine Wurzeln in der Rückständigkeit der Gesellschaft, sozialen Entbehrungen, einem niedrigen Bewusstseinsstand, Armut und Unwissenheit.

Kommen wir auf das Beispiel Pakistan zurück. Während Jahrzehnten haben Staat und Militär mit finanzieller und politischer Unterstützung der imperialistischen Machte nicht nur dschihadistische Gruppen gegründet und unterstützt, sondern auch Millionen von Menschen mit konservativer islamischer Ideologie indoktriniert. Das Ziel war die Sicherung ihrer strategischen Interessen.

Die drei Jahrzehnte seit 1980 sind die Jahre der Medressen, von denen es zurzeit über 20 000 gibt und die eine Brutstatte für die Rekrutierung von Selbstmordattentätern sind. Sie werden hauptsächlich von Saudi Arabien und vielen Millionen islamischer Immigranten unterstützt und sind zu einer Alternative zum staatlichen Schulsystem geworden. Bei den meisten terroristischen Aktivitäten in Pakistan und anderswo gibt es organisatorische und politische Unterstützung in Verbindung mit diesen Medressen.

Nach 9/11 änderten sich die engen Beziehungen des Staates mit den Fundamentalisten bis zu einem gewissen Grad, aber sie wurden nicht wirklich abgebrochen. Die verbotenen terroristischen Gruppen andern ihre Namen und setzen ihre Aktivitäten in gewohnter Weise fort. Sie organisieren Treffen und öffentliche Kundgebungen, sammeln Geld und veröffentlichen ihre Literatur, ohne dass der Staat interveniert.

Pakistan wurde konservativer, islamischer und rechter, was zur Ausbreitung extrem islamistischer Ideen führte. Blasphemie-Gesetze werden oft benutzt, um persönliche und ideologische Rechnungen zu begleichen. Religiöse Minderheiten, Frauen und Kinder sind leichte Ziele. Diese weichen Ziele bezahlen den höchsten Preis für diesen entschiedenen Rechtsruck. Die Ausbreitung des religiösen Fundamentalismus wurde zur größten Herausforderung nicht nur für fortschrittliche Kräfte, sondern auch für die Grundlagen einer modernen Gesellschaft. Bildung und Gesundheitsversorgung sind die wirklichen Ziele dieser Fanatiker.

Menschen, die Polio-Schutzimpfungen durchfuhren, meist Frauen, werden von diesen Fanatikern getötet, weil sie annehmen, dass ein Polio-Impfteam zur Entdeckung Osama Bin Ladens und seiner Ermordung führte. Das Ergebnis ist, dass die Weltgesundheitsorganisation ein Auslandsreiseverbot für alle Pakistaner ohne Polio-Impfungsbestätigung empfohlen hat.

Fanatische religiöse Gruppen sind die neue Version des Faschismus. Aus ihnen werden Faschisten gemacht. Sie haben alle geschichtsbekannten Eigenschaften von Faschisten. Sie toten massenhaft GegnerInnen. Sie haben eine beträchtliche Unterstützung in der Mittelklasse, insbesondere unter den Gebildeten. Sie sind gegen Gewerkschaften und soziale Bewegungen. Sie verbreiten die Ideologie, dass Frauen minderwertig im Vergleich zu Männern sind und wollen sie zu Hause einsperren. Angriffe auf religiöse Minderheiten wurden zur Normalität. Die fanatischen religiösen Gruppen sind Internationalisten. Ihr Ziel ist eine islamische Welt. Sie sind gegen Demokratie und preisen das Kalifat als Regierungsform an. Sie sind die barbarischste Kraft in der neueren Geschichte, wie der „Islamische Staat“ und die Taliban beweisen. Ihre Ideologie hat nichts Fortschrittliches an sich. Sie sind anti-amerikanisch und antiwestlich; nicht antiimperialistisch. Sie haben die terroristischsten Akte wie Selbstmordattentate, Bombenexplosionen, Massenmorde und wahllose Erschießungen geplant und ausgeführt. Ihnen muss entgegengetreten werden. Die amerikanische Art, sie mit dem „Krieg gegen den Terrorismus“ zu bekämpfen, ist schmählich gescheitert. Trotz aller amerikanischen Initiativen wie Besetzungen, Kriege und die Schaffung demokratischer Alternativen haben die religiösen Fundamentalisten an Stärke gewonnen.

Trotz der Besetzung Afghanistans sind die Fundamentalisten starker, als sie es bei 9/11 waren. Ein ganzes Paket von Maßnahmen ist notwendig. Der Staat muss alle Verbindungen zu den fanatischen Gruppen abbrechen. Die Haltung, dass die religiösen Fundamentalisten „unsere eigenen Bruder, unsere eigenen Leute, unsere Sicherheitslinie und Garantie gegen ,Hindus‘ sind, wobei einige gut und andere schlecht sind usw., muss geändert werden. Verschwörungstheorien sind die bevorzugten Argumente der religiösen Rechten. Sie wollen die Realität nicht anerkennen.

Es gibt keine Abkürzung, um den religiösen Fundamentalismus zu beenden. Es gibt keine militärische Losung. Es handelt sich um einen politischen Kampf, der tiefgreifende Reformen des Bildungs- und Gesundheitswesens und der Arbeitsbedingungen in den meisten muslimischen Ländern erfordert. Beginnend mit der Nationalisierung der Medressen, müssen kostenlose Bildung, Gesundheitsversorgung und Personenverkehr als effektivste Mittel, um dem Fundamentalismus entgegenzutreten, zur Verfügung gestellt werden. Rechte Ideen fuhren zu einer extrem rechten Ideologie. Die Alternative einer Arbeitermassenbewegung in Gestalt von Gewerkschaften und politischen Parteien, die mit sozialen Bewegungen verbunden sind, ist die effektivste Art, um dem religiösen Fundamentalismus entgegenzutreten.

Es ist ein Muss, einen Zusammenstoß zwischen der imperialistischen Barbarei und der Barbarei von Organisationen wie Daesch und Al-Kaida zu verhindern. Die imperialistische Barbarei und ihre diktatorischen Unterstützer unterdrücken weltweit täglich Millionen von Menschen. Das ist fruchtbarer Boden für das Gedeihen fundamentalistischer und terroristischer Organisationen. Sie profitieren von internationalen Interventionen wie denen der USA, anderer westlicher und regionaler Machte in Afghanistan, dem Nahen Osten und dem Irak.

Wir dürfen niemals eine grundlegende Wahrheit vergessen: Die terroristische Gewalt richtet sich zuerst und vor allem gegen Menschen in muslimischen Ländern. Die Fundamentalisten greifen alle Freiheiten und grundlegenden Rechte an. Sie spielen eine große konterrevolutionäre Rolle – zum Beispiel beim Kampf gegen die fortschrittlichen Bestrebungen des „Arabischen Frühlings“.

Angesichts dessen, dass sie immer gröbere barbarische Taten verüben, müssen diese Kräfte bekämpft werden. Wir müssen sie nicht nur in unseren Ländern bekämpfen, sondern auch durch internationale Solidarität – indem wir gegen imperialistische Kriege kämpfen, fortschrittliche Bewegungen unterstützen, Widerstand gegen den Fundamentalismus leisten und die Opfer von Intoleranz verteidigen, wo immer sie sich befinden.

Fundamentalismus (aller Religionen) und die neue extreme Rechte (fremdenfeindlich und rassistisch) beanspruchen, radikal zu sein. Wir brauchen eine breite, internationale, antifaschistische und antifundamentalistische Widerstandsfront und ebenso eine aktivistische Linke, die in der Lage ist, eine radikale Alternative zu bieten.

Der Aufstieg religiös fundamentalistischer Gruppen in Ländern mit muslimischer Mehrheit ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen, von denen einige außerhalb des Rahmens dieses Essays liegen. Aber wir können dieses Phänomen nur analysieren, wenn wir es in seinem historischen Kontext betrachten. Genauso wichtig ist es, die politische Ökonomie des Politischen Islam zu verstehen. Es ist offensichtlich, dass die Islamisten eine Randgruppe waren, als es gangbare linksnationalistische Alternativen gab. Die Islamisten füllten das Vakuum, das Linksnationalisten im Nahen Osten hinterließen. Offene und verdeckte Unterstützung durch die Imperialisten hat den Islamisten bei ihrem Aufstieg zu ihrem gegenwärtigen Masseneinfluss geholfen.

Wichtig festzustellen ist auch, dass der Imperialismus keinen Konflikt mit dem Fundamentalismus an sich hat. Washington und seine Alliierten kämpfen nur gegen einen Teil des Fundamentalismus, der außer Kontrolle geraten ist.

      
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Unglücklicherweise wurde der Aufstieg des Fundamentalismus von den fortschrittlichen Kräften weltweit nicht ernst genommen. Er ist eine neue Wirklichkeit, die eine direkte Bedrohung ihrer Existenz darstellt. Zur Verbreitung ihrer Ideen haben die religiös-fundamentalistischen Gruppen und die Rechten viel von der politischen Terminologie der Linken übernommen. Sie tun das, um eine Massenbasis zu gewinnen. Wir sollten uns nicht vom Gebrauch dieser Terminologie tauschen lassen.

Die religiös-fundamentalistischen Gruppen sind weder revolutionär, noch antiimperialistisch oder radikal. Sie sind eine Kraft mit vollkommen anderer Ausrichtung. Mit diesen Reaktionären sollte es keine wie auch immer geartete politische Allianz oder Einheitsfront geben. Man muss sich ihnen unabhängig entgegenstellen. Der „Krieg gegen den Terrorismus“ sollte uns nicht verwirren. Bei der Bekämpfung des religiösen Fundamentalismus sollten wir nicht zum Teil der imperialistischen Allianz des „Kriegs gegen Terrorismus“ werden. Beiden muss entgegengetreten werden und die Entwicklung einer unabhängigen Strategie für den Kampf gegen beide muss unsere Hauptpriorität sein, um eine brauchbare Alternative basierend auf sozialistischen Ideen aufzubauen. Die Welt muss frei werden von Reaktion und Unterdrückung jeglicher Art.

16. Juli 2015 [3]
Farooq Tariq ist Generalsekretär der Awami Workers‘ Party (Awami Arbeiterpartei), die 2012 durch die Fusion dreier Parteien entstand. Er war vorher nationaler Sprecher der Labor Party Pakistan (Arbeiterpartei Pakistans), http://www.laborpakistan.org/.
Übersetzung: W. W.



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Dieser Artikel erschien in Inprekorr Nr. 5/2015 (September/Oktober 2015).


[1] Das ist aus den Anfangsbuchstaben der arabischen Wörter für „Islamischer Staat in Irak und Scham (Großsyrien oder Levante)“ zusammengesetzt und wird dann ungefähr wie DA-ESCH ausgesprochen. Es entspricht dem früher auch im Westen gebräuchlichen Begriff „ISIS“.

[2] Kalma (Kalimat) sind u. a. Anrufungen Allahs, eine Art Glaubensbekenntnis.

[3] Farooq Tariq präsentierte dieses Papier am 3. Juli 2015 in einem Seminar an der Universität der Philippinen in Quezon City, Manila. Das Seminar wurde organisiert vom International Institute of Research and Education (IIRE) in Zusammenarbeit mit Focus on Global South Philippine, der Stop the War Coalition und mehreren anderen sozialen Organisationen.