Ökologie

Wissenschaft, Technologie, Gott und die sozialen Verhältnisse

Sir John Houghton ist ein bedeutender Klimatologe und ein eifriger Katholik. Außerdem war er Vizepräsident der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC), dem Weltklimarat der Uno, als er einmal gefragt wurde, ob er Optimist oder Pessimist sei. Er sei Optimist, antwortete er zusammengefasst, und dies aus drei Gründen:

 

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Diese Antwort ist typisch für die Haltung zahlloser Wissenschaftler, gläubig oder nicht, die vom Abstraktionsniveau ihres Spezialgebiet geradezu hinaufspringen zur menschlichen Natur (oder zu Gott), ohne das dazwischen liegende Generalisierungsniveau zu berücksichtigen, das von der sozialen Struktur gebildet wird, innerhalb der die Phänomene, die sie untersuchen, hervortreten. Das unterstreicht eine wichtige Frage der wissenschaftlichen Methodik. Wie Bertell Ollman bemerkt, „ist es wesentlich, um jedes einzelne Problem zu verstehen, auf ein allgemeines Niveau zu abstrahieren, das die charakteristischen Züge hervortreten lässt, die die Hauptursachen sind“, anderenfalls man unfähig sei, ein Phänomen zu erklären und daraus globale Lösungen herauszuarbeiten. [Bertell Ollman, „La dialectique mise en œuvre“, Éd. Syllepse, 2005] Es ist offensichtlich genau das, was mit obigem Zitat passiert. Bei allem Respekt, den wir für die Kompetenz dieses Gelehrten und für seine Gläubigkeit haben, fürchten wir, dass Sir John Houghton sich irrt. Der Schlüssel zur Lösung des Klimawandels liegt weder in der Technologie noch im Eingreifen höherer Mächte, sondern in einer Änderung der sozialen Verhältnisse.

Quelle: John Houghton, „Overview of the Climate Change Issue”, http://www.jri.org.uk/resource/climatechangeoverview.htm#optimist



Dieser Artikel erschien in Inprekorr Nr. 428/429 (Juli/August 2007).